Usönigtum und Kämpfe zwischen Fürsten, Adel und Städten. 3685
damit mittelbar ihren Bund; der Kaiser überließ es den
sozialen und politischen Gegensätzen in Schwaben, sich unter
sich auseinanderzusetzen: es war der Bankerutt der monarchischen
Gewalt in ihrer führenden Stellung gegenüber den wichtigsten
sozialen Vorgängen der nationalen Geschichte.
Bald darauf, am 29. November 1378, ist Kaiser Karl
gestorben.
III.
König Wenzel, halb widerwillig gewählt, jung, unerfahren,
von vornherein weit weniger angesehen als sein kluger Vater,
hatte bald mit fürstlichen Plänen zu kämpfen, die auf eine
andere Ordnung des Reichsregiments durch eine Statthalter⸗
schaft, wenn nicht gar schon auf Absetzung des Königs hinaus⸗
liefen. Es war eine Lage, die ihn, trotz aller Sympathien,
die er von Standesinteressen aus zunächst für die Fürsten
hegte, dennoch vielleicht den Städten besonders geneigt machen
tonnte. Von dieser Berechnung aus suchten sich ihm die
schwäbischen Städte schon früh zu nähern; auf dem Frankfurter
Reichstage des Monats Februar 1379 schlugen sie ihm vor, er
solle ihren Bund bestätigen, wogegen sie sich zum Kampfe gegen
jeden Gegenkönig verpflichten würden, der ihn vom Reiche
drängen wolle. Wenzel schwankte gegenüber dem verlockenden
Angebot; schließlich aber überwogen die alten fürstlichen Nei—
gungen. Das einzige Ergebnis der lang hin und her gezogenen
Verhandlungen war, daß man sich jetzt im ganzen Lande und
in allen führenden Ständen der vorhandenen Gegensätze deut—
licher als bisher bewußt ward: waren sie vorläufig nur in
Schwaben entfesselt, so durchdrang mindestens ihre Kenntnis
nunmehr das Reich.
Es war eine Lage, die namentlich den Adel, dessen einzelne
Mitglieder ohne Einung völlig widerstandsunfähig waren, zu
gegenseitigen Verbindungen veranlassen mußte: rasch entstanden
in Süddeutschland die Gesellschaften von St. Wilhelm, vom
Löwen, vom Georgenschild, in Hessen die Hörner, in Westfalen
die Falkener, in der Wetterau die Einung vom brimmenden