366 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Löwen, die sich, auch Fürsten umfassend, bald über ganz Süd⸗
deutschland bis zu den Alpen hin ausdehnte. Es waͤr eine
Mobilmachung des ritterschaftlichen Adels, wo immer nur er
von Bedeutung war.
Der Eindruck, den diese Vorgänge auf die Städte machten,
war stark und nachhaltig. Der schwäbische Städtebund hatte
sich ursprünglich seiner Begründung und Zusammensetzung nach
nicht so sehr gegen den Adel gekehrt, wie gegen den Kaiser: man
war zusammengetreten, um nicht von Karl oder Wenzel widerrecht⸗
lich versetzt und geschatzt zu werden. So war es natürlich, daß
dem Bunde zunächst fast nur die Reichsstädte angehörten, für
welche allein die Gefahr einer Pfandschaft oder Besteuerung von
Reichswegen drohte. Die großen Bischofsstädte dagegen, die
nicht Reichsstädte waren, sondern nur unschatzbare und darum
unverpfändbare Freistädte, Augsburg, Basel, Straßburg, Worms,
Speier, Mainz, sowie andere Nichtreichsstädte hatten sich bisher
vom Bunde fern gehalten. Nun hatte sich freilich noch zu
Lebzeiten Karls IV. der Gegensatz bereits soweit gedreht, daß
man wohl einzusehen begann, der schwäbische Bund kämpfe
nicht bloß, um sich gegen Besteuerung oder Verpfändung durch
den König zu sichern, sondern noch mehr für die städtische Frei—
heit im allgemeinen. Allein völlig klar trat dieser Gedanke
doch erst jetzt hervor. Gegen die drohende Stellung des Adels,
unter dessen unberechtigten Zoll- und Geleitsforderungen wie
roher Plünderungssucht der Handel aller Städte in durch⸗
schnittlich gleicher Weise litt, war das städtische Interesse
überall das gleiche: hier begründete die verschiedenartige Stellung
der Städte zum Reiche keinen Unterschied mehr. Dementsprechend
konnte es sich jetzt nur noch um gemeinsame Gegenmaßregeln
aller Großstädte handeln: die Spannung auf bürgerlicher Seite,
bisher auf Schwaben beschränkt, erweiterte sich auf alle ver—
kehrsreichen Gegenden mindestens des zentralen Deutschlands.
Im Elsaß verbanden sich am 14. August 1379 alle
größeren Städte dem heiligen Reiche zu Ehren wegen kuntlicher
gefaren; und bald darauf tauchte der Gedanke auf, einen
zrößeren rheinischen Bund zu begründen, nachdem man den