Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Königtum und Rämpfe zwischen Fürsten, Adel und Städten. 369 
dem Bunde bei; im übrigen befanden sich in ihm nur Fürsten 
und Herren. Aber schon war es wieder zweifelhaft, ob Wenzel 
diesen letzten Versuch nur aus Interesse am Reich unternommen 
hatte. Rücksichten auf seine Hauspolitik legten ihm damals 
einen Romzug nahe; hierfür waren vor allem die Fürsten zu 
zewinnen; darum kam er ihnen im Reiche unter der Maske 
allgemeiner Landfriedenspläne entgegen. Freilich, den ge⸗ 
wünschten Erfolg hatte er nicht: die im Nurnberger Landfrieden 
geeinten Fürsten und Herren betrachteten ihn trotz allem als neben⸗ 
sächliche Figur; sie beschlossen wohl, ihm auch fürder zu dienen, 
aber nur diesseits der Alpen. 
Der König, der so seine eigentlichen Absichten gescheitert 
sah, begann nun endlich ernst und ehrlich zwischen Fürsten 
und Städten zu vermitteln. Es war, sollte dies überhaupt ge— 
schehen, hohe Zeit. Denn inzwischen war die Ehinger Sühne 
abgelaufen; in Schwaben standen die Parteien schneidig und 
gerüstet gegeneinander; überall schürten die überwundenen Ritter 
bei den Fürsten, und in den Städten säte die adlige Stifts— 
geistlichkeit Unfrieden und Arger. Aber konnte ein Vermittlungs⸗ 
versuch noch Erfolg haben gerade seitens Wenzels, dessen 
Eigennutz in den bisher geführten Verhandlungen nicht ver— 
borgen geblieben war? Die Fürsten zogen sich von ihm zurück, 
sobald er sich den Städten ein wenig näherte; sie trugen sich 
wieder einmal mit Absetzungsgedanken, und wohl nur die That— 
sache, daß ihre Pläne dem Könige durch die Städte vorzeitig 
hinterbracht wurden, hinderte sie an deren Ausführung. So 
verlor der König von Tag zu Tage an Stellung; er befand 
sich haltlos zwischen den beiden Parteien, und alles, was er 
schließlich, noch dazu meistens durch Vermittlung des Pfalz⸗ 
grafen Ruprecht, erreichte, war ein lahmer Waffenstillstand, wie 
er in der sogenannten Heidelberger Stallung vom 26. Juli 1384 
vorliegt. Danach sollte ein nach Art der Ehinger Sühne ge— 
dachter, aber äußerst schwach organisierter Landfriede Fürsten 
und Städte bis zum 17. Mai 1388 pereinen; zugleich war 
der Versuch gemacht worden, einige besonders strittige Punkte 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. IV. 24
	        
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