Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

372 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel. 
das Jahr 1388 in Sachen seiner Hauspolitik aufs dringendste 
bedurfte. Er wandte sich, seinen Neigungen entsprechend, zu⸗ 
nächst an die Fürsten: sie sollten ihm einen Zehnt von dem 
Vermögen der Juden ihrer Landstädte bewilligen. Aber die 
hörten ihn nicht. So galt es erst recht, die Reichsstädte in 
Anspruch zu nehmen. Und diese griffen — es war im Sommer 
1385, ein Jahr nach der Heidelberger Stallung — begierig zu: 
zogen sie doch so den König auf ihre Seite. Am 16. Juli 1885 
wurde zu Ulm die Plünderung der Juden in den böhmischen 
Ländern und im Gebiet der Städtebünde, vor allem des 
schwäbischen Bundes, beschlossen. Und tapfer ist sie in Böhmen 
wie in etwa vierzig Städten des Reiches ausgeführt worden. In 
Nürnberg, von wo wir genauere Nachrichten besitzen, nahm die 
Stadt den Juden die Schuldurkunden ab und trieb die in 
ihnen verzeichneten Summen ein, und zwar von den Forderungen 
des letzten Jahres das Kapital ohne Zinsen, von älteren 
Forderungen dreiviertel des Kapitals einschließlich der Zinsen. 
Waren die Summen eingegangen, so wurde mit den Juden 
darüber verhandelt, unter welchem Anteil ihrerseits die Stadt 
jedem einzelnen die gemachte Einnahme abtreten werde. 
So wurde ein Erkleckliches von den Juden erzielt; die 
Städte machten dabei das Hauptgeschäft, Nürnberg allein z. B. 
gewann 80000 Gulden, im heutigen Geldwert etwa 2 Millionen 
Mark; aber auch Wenzel strich als ihm zukommenden Anteil von 
den Städten die hübsche Summe von 40000 Gulden ein. 
Über die Art dieses Vorgehens ist hier vom sittlichen 
Standpunkte aus nicht zu urteilen; politisch war es von 
größter Bedeutung, da es den König auf die Seite der Städte 
führte und damit die Spannung der deutschen Verhältnisse in 
kriegerischer Richtung zu lösen begann. Und wie waren die 
Städte durch diese finanzielle Judenschlacht für eine künftige 
Kriegsführung in ihren Mitteln erstarkt! Der Sieg schien 
ihnen sicher. 
Zum Ausbruche aber kam der Kampf zwischen Fürsten 
und Städten zunächst im Süden, auf Grund von Macht-— 
derschiebungen, die sich in der Schweiz angebahnt hatten.
	        
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