374 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
Aber dem Anfang und der Vorbereitung des Feldzuges ent⸗
sprach nicht sein Verlauf. Das fürstlich-adlige Heer ward bei
Sempach am 9. Juli 1386 von den Schweizer Bauern so gut
wie vernichtet, sein Führer Leopold fiel, und auch in einem
Nachspiel des Kampfes siegten die Eidgenossen, bei Näfels, am
9. April 1888. Der Friede des folgenden Jahres brachte der
Schweiz die volle Anerkennung ihrer Selbständigkeit seitens der
Habsburger: der Versuch der aristokratischen Gewalten des
Südens, der bäuerlich-städtischen Demokratie der Alpen Herr
zu werden, erschien gescheitert.
Inzwischen waren die Dinge im centralen Deutschland
oöllig entgegengesetzt verlaufen.
Zunächst waren die schwäbischen Städte den Eidgenossen
nicht zu Hilfe gekommen. Sie wurden teilweis durch Drohungen
und Ansprüche Leopolds und der ihm verbündeten Fürsten
eingeschüchtert, teilweis fehlte ihren Kriegsauszügen, wie sie
sich zumeist aus Zunftbrüdern zusammensetzten, die treibende
Kraft zu entfernteren Unternehmungen: nur in der Nähe
der Heimat und zu großen Stößen in Zeiten äußerster Not
waren sie brauchbar; teilweis endlich war die städtische
Diplomatie energischer, von jeder Engherzigkeit freier Politik
nur selten fähig.
Es waren Eigenschaften, die zugleich für den Kampf in
Schwaben, Franken und am Rhein trotz aller finanzieller Über—
macht der Städte ungünstige Ausfichten eröffneten. Und auch
der Übertritt König Wenzels auf die Seite der Städte,
wie er sich im Frühjahr des Jahres 1387 offen vollzog,
konnte diese innere Unterlegenheit der Städte gegenüber den
Fürsten nicht wett machen.
Der Kampf ward im Jahre 1888 nach einem an sich
unbedeutenden Vorfall eröffnet. Die Herzöge Friedrich und
Stephan von Bayern hatten den Erzbischof Piligrim von
Salzburg, der zu den Städten hielt, in Reitenhaslach trügerisch
gefangen genommen. Darauf sagte der Städtebund am
17. Januar 1388 den Herzögen von Bayern auf; und mit ihm
trat auch Wenzel in den Kampf ein. Das war daun das Signal