Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

378 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel. 
Lag das aber im Interesse des Reiches? 
Die Wirkungen des Schismas waren im Reiche anfangs 
verheerend gewesen, mehr, als die Folgen der letzten zwie— 
spältigen Königswahlen. In vielen Städten waren Zwistig⸗ 
keiten häßlichster Art ausgebrochen, falls die Bürgerschaft dem 
einen, der Klerus dem andern Papste anhing, und in einer 
Reihe von Bistümern, namentlich an den Grenzen des Reiches, 
war es zu doppelter Besetzung der Bischofsstühle, zu Schismen 
im kleinen gekommen. Doch klärten sich die Zustände allmählich 
fast völlig zu Gunsten Urbans, der sich überhaupt zum Papst 
der germanischen Nationen entwickelte, während Clemens mit 
Ausnahme einiger ghibellinischer Gegenden Oberitaliens und 
Portugals bei den Romanen Anhang fand: ein erstes Zeichen 
nationaler Spaltungen innerhalb der universalen Kirche— Im 
Reiche blieb schließlich elementisch nur Leopold von Osterreich, 
und schwankend verhielten sich die Länder der Westgrenze: Luxem⸗ 
burg, Metz, Toul, Verdun — außerdem aber das von einem 
Schisma durchtobte Mainz, der vornehmste Bischofssitz des Reiches, 
das Fürstentum der ersten Kur. Unter diesen Umständen war 
die Stellungnahme der deutschen Nation in dieser damals 
wichtigsten Frage der allgemeinen Politik entschieden, sobald 
es gelang, auch Mainz für Urban zu gewinnen; Maßregeln in 
diesem Sinne waren mithin ein dringendes Bedürfnis. 
König Wenzel begriff das wohl; auf seinem ersten Reichs⸗ 
tage zu Frankfurt erklärte er sich am 27. Februar 1379 mit 
den rheinischen Kurfürsten für Ludwig von Meißen, den 
Mainzer Erzbischof, welcher dem Papst Urban anhing. Das 
schloß nun rechtlich die Herrschaft Adolfs, des clementischen 
Mainzer Erzbischofs, aus, und da dieser sich im thatsächlichen 
Besitze des Erzstiftes befand, so wäre es, seitdem Adolf sich 
öffentlich fuür Clemens VII. erklärt hatte, Pflicht des Königs 
gewesen, ihn thatsächlich daraus zu entfernen. Der Avignoneser 
hatte jedoch mehr Anhänger in Deutschland, als man hätte 
denken sollen, und so handelte Wenzel wohl klug, wenn er sich 
zunächst mit einer platonischen Erklärung gegen ihn begnügte 
und energische Schritte gegen die Clementiner ablehnte.
	        
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