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380 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
war von einem Herrscher zu erwarten, der als Anwärter des
Thrones noch im Jahre 1881 die Neumark von Polen hinweg
dem Kurfürstentum Brandenburg angegliedert hatte! Auf Be—
treiben der Witwe Ludwigs, Elisabeth, einer wilden Bosnierin,
der Sigmund schon als Deutscher persönlich verhaßt war,
wählten die Polen auf Martini 18383 Hedwig, die jüngere
Tochter Ludwigs, zur Königin.
Das bedeutete, da Hedwig mit dem Osterreicher Wilhelm ver—
lobt war, eine künftige Herrschaft des Hauses Habsburg auf
dem polnischen Throne. Es wäre der schwerste Schlag für die
Luxemburger gewesen. Er ward durch die Entwicklung der
Dinge in Polen abgewandt. Um Hedwig, die im Herbst 1384
zu Krakau gekrönt worden war, bewarb sich nunmehr der heid—
nische Großfürst Jagiello von Litauen: er versprach, Christ zu
werden und sein Reich dem polnischen einzuverleiben, falls seine
Brautfahrt gelänge. Diesen Anerbietungen widerstanden die Polen
nicht, trotz des Widerwillens der Königin gegen ihren künftigen
Gemahl; am 4. Februar 1886 ward Jagiello König von Polen,
am 18. Februar heiratete er Hedwig.
Es war eine für Deutschland verhängnisvolle Wendung.
Jetzt wurde Polen eine Großmacht im Osten; von nun ab be—
drohte es das Ordensland, unterband es die deutsche Kolonisation,
hinderte es die Hanse an weiterem Fortschritt. Und dieser Um—
schwung war von langer Dauer; er beherrschte die Entwicklung
noch fast des ganzen 15. Jahrhunderts. Verschuldet aber
ward er durch Wenzel und die Luxemburger, die aus Eifersucht
gegen das Haus Habsburg die Dinge in Polen hatten gehen
lassen, wie sie gingen.
Und wenn sie wenigstens Ungarn ohne Schädigung
der Reichsinteressen gewonnen hätten! Aber hier zeigte sich
die zunächst errungene Herrschaft Marias und Sigmunds keines-
wegs schon als fest begründet. Mehrere Prätendenten, darunter
auch Karl von Durazzo, traten auf; sie vertrieben zeitweis
Sigmund aus dem Lande, und Wenzel mußte mit Heereskraft
seinem Bruder zu Hilfe eilen, bis es endlich im Jahre 1386
zu dessen dauernder Anerkennung kam. Das Geld zu diesem