Königtum und Kämpfe zwischen Fürsten, Adel und Städten. 8388
Landfriedenspolitik der alten Kaiser wieder aufzunehmen. Als
diese Politik ihn nach Lage der Dinge den Städten wieder
näher führte, betrat er auch von neuem den Weg einer bürgerfreund—
lichen Politik. Er stand den Würzburger Städten gegen ihren
Bischof, der sie bedrängte, bei. Er suchte die Reichsstädte vornehmlich
des Westens für den Plan eines großen Landfriedens, der die
unerhört lange Dauer von zehn Jahren haben sollte, zu gewinnen.
Aber er that all das nervös, unstät, plötzlich nachlassend
und darum erfolglos. Die Fürsten dagegen gingen systematisch
wider ihn vor, Schritt für Schritt. Als Wenzel in Sachen
seiner Kirchenpolitik im März 1398 nach Frankreich gegangen
war, sahen sie ihre Stunde gekommen; ein Tag zu Boppard
vom 11. April 1399 bezeichnet den Anfang der Vorgänge,
die schließlich zur Absetzung des Königs geführt haben. Es
gelang in deren Verlauf, die Kurfürsten, soweit sie nicht
luxemburgischen Geschlechts waren, zu einen, die Zustimmung
der wichtigsten Fürstengeschlechter zu erhalten und die Städte,
an die sich Wenzel nochmals wandte, wenigstens bis zu dem
Grade einzuschüchtern, daß sie unthätig verharrten. Darauf
ward Wenzel in den Tagen des 20. und 21. August 1400 zu
Oberlahnstein abgesetzt.
Durchliest man die Artikel der Absetzungsurkunde, so wird
man sich schwerlich uber Gründe und Tragweite des Ereig—
nisses belehrt finden. Die Motivierung ist zum großen Teile
hreit und unbestimmt, da, wo sie konkret wird, bringt sie lahme
Anschuldigungen vor; Verbrechen persönlicher Natur, Mord
u. dgl. werden dem Könige vorgeworfen, daneben vor allem die
Vernachlässigung der äußeren Politik des Reiches. In der
That war es nicht leicht, deutlich auszudrücken, was eigentlich
zur Absetzung des Königs genötigt hatte. Gewiß hätte hier jeder
der Kurfürsten verletzte Interessen besonderer Art und Hoff—
nungen auf eine ihm persönlich zuträglichere Zukunft anzugeben
gewußt, wäre man offen gewesen. Aber würde es den Zeit—⸗
genossen selbst schon möglich gewesen sein, das ganze Regiment
Wenzels dahin zu charakterisieren, daß es auf eine systematische
Unterordnung der deutschen Reichsangelegenheiten unter die