Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

biee 
384 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel. 
luxemburgische Hauspolitik und damit auf die heilloseste Um— 
gehung der Pflichten eines deutschen Königs hinauslief? Wir 
können mit diesem Urteil nicht zurückhalten: es war gerecht, 
daß ein Verfahren, wie es so viele spätere deutsche Könige und 
Kaiser einzuschlagen nicht scheuten, wie es österreich in ver— 
wandter Weise noch im vorigen Jahrhundert gegenüber dem 
deutschen Bunde geübt hat, wenigstens das erste Mal mit 
der entsprechenden Strafe geahndet ward, mit der Strafe der 
Absetzung. Die besondern Beweggründe der Absetzenden freilich 
sind damit noch keineswegs gerechtfertigt. Und verfassungsrechtlich 
war die Absetzung zweifelsohne ein Staatsstreich: ein Ver— 
fahren, das sich an dem ferneren Schicksal der Kurfürsten wie 
des Königtums rächen mußte. 
V. 
Gewählt ward in unmittelbarem Anschluß an die Absetzung, 
auf dem Rhenser Königsstuhl, den Karl IV. in ganz anderen 
Hoffnungen erbaut hatte, Kurfürst Ruprecht von der Pfalz. 
Ruprecht war ein Ehrenmann, ein trefflicher Fürst seines 
Landes, mild, gerecht, von Herzen fromm, den Wissenschaften 
zugethan. Aber für größere Aufgaben reichten seine Gaben 
nicht aus; erweiterte sich der politische Horizont, so verwirrte 
und schwächte sich sein Blick. In ruhigen Zeiten würde seine 
Herrschaft gesegnet gewesen sein. Im beginnenden 15. Jahr⸗ 
hundert dagegen wurde sie zu einer großen Lächerlichkeit, zum 
Spott des Auslands und zum Thema schlimmer Gassenhauer 
im Reiche. 
Schon die Anerkennung im Reiche zu finden, ist Nuprecht 
niemals gelungen. Wichtige Fürsten, namentlich im Osten, ver⸗ 
harrten weiter auf seiten Wenzels, so Herzog Ernst von Bayern⸗ 
München, Herzog Rudolf III. von Sachsen⸗Wittenberg, Jost 
von Brandenburg und Mähren, und teilweis die Herzöge von 
Osterreich; und auch im Westen wurde der König am Nieder— 
rhein und an der Niedermaas teilweis nicht anerkannt. So 
war er eigentlich nur ein König des Südwestens; die Gegenden, 
die in den letzten Generationen allein noch Schauplatz stärkerer
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.