Königtum und Kämpfe zwischen Fürsten, Adel und Städten. 385
königlicher Machtwirkungen gewesen waren, wurden nun zur
eng begrenzten Grundlage auch der königlichen Macht. Und
selbst hier wurde Ruprecht nur langsam und teilweis garnicht
anerkannt; die Grafschaft Württemberg hat ihm zeit seines Lebens
getrotzt, und von den Städten verschoben die wichtigsten die An—
erkennung bis zum Jahr 1401, Metz sogar bis zum Jahr 1407.
Da schien es für Ruprecht die dringendste Aufgabe, sich
zunächst mit Wenzel auseinanderzusetzen. Er ist auch diesen
Weg gegangen. Allein als Wenzel sich seinem Angebot nicht
ohne weiteres fügte, trat für ihn ein anderer Plan, das glän⸗
zende Phantom eines Römerzuges, in den Vordergrund. Auf
dem schwach besuchten Reichstage des Frühlings 1401 zu
Nürnberg wie auf einem weiteren Reichstage zu Mainz machte
er den Ständen dahingehende Vorschläge. Was sollten die
Stände dazu sagen? Dem Könige war gelegentlich seiner Wahl
die Wiedererwerbung Mailands aufgetragen worden; auch war
man seiner schon überdrüssig; so ließ man ihn ziehen, nachdem
die Sicherheit gewonnen war, daß sein Unternehmen dem Reiche
wenig kosten werde.
Anders war die Stimmung teilweis in Italien. Hier glaubte
man noch an eine deutsche Königsmacht in der Höhe der Hein—
rich VII. und Ludwig dem Bayer einst verfügbaren Gewalten;
und da der Zug sich ausgesprochenermaßen zunächst gegen
die Viscontis, die ghibellinischen Beherrscher Mailands, richtete,
so sahen ihm die Guelfen von Padua und Florenz, ja auch
das Mailand feindliche Venedig mit froher Zuversicht ent—
gegen, und sogar ein Dichterling der welfischen Partei fand
sich, der ihm, ein Zerrbild Dantes, in poetischem Schwulst ent⸗
gegenjauchzte.
Ruprecht brach im Herbst des Jahres 1401 nach Italien
auf; da die Eidgenossen ihrem Könige den Durchzug weigerten,
so ging die Fahrt über den Brenner. Es war ein recht kleines
Heer, entgegen den bombastischen Nachrichten der Chroniken,
die von 82000 Mann zu Roß und zu Fuß reden; nach ur⸗
kundlichen Quellen waren schwerlich über tausend Mann zu—
sammengekommen. Nichtsdestoweniger war Ruprecht besten
Lamprecht, Deutsche Geschichte. IV. 25