388 Dreizehntes Buch. Erstes Kapitel.
durch Sonderverträge mit seinen einzelnen Mitgliedern zu
sprengen: im ganzen vergebens. Er suchte sich mit Johann,
der den Bund auf den Reichstagen der nächsten Jahre aufs
rücksichtsloseste gegen ihn ausspielte, zu stellen: es war ein
Schritt, der zur persönlichen Demütigung unter den Mainzer
führte. Wo sollten die Dinge hinaus?
Die öffentliche Meinung, soweit sie durch anständige und
ehrliche Männer geschaffen ward, gedachte mit schmerzlicher Er⸗
innerung der guten Zeiten König Wenzels: wie war es damals
doch besser gewesen! Und Wenzel hatte ja noch keineswegs
auf sein Königtum verzichtet. Gestärkt vielmehr durch günstige
Auseinandersetzungen mit dem cechischen Adel, saß er zu Prag
und wartete seiner Zeit. Seit etwa 1408 begann er von
neuem Regierungsrechte im Reiche auszuüben, und zwar im
Bereiche des Einflusses Ruprechts. So forderte er im Jahre
1409 die Reichssteuer der schwäbischen und wetterauischen Reichs—
städte ein und ernannte einen Reichsverweser für Trient; im
Jahre 1410 belehnte er den Patriarchen von Aquileja. Es war
klar: für Ruprecht trieben die deutschen Dinge zu einer Kata—
strophe. Aber gnädig ist sie ihm erspart geblieben; er starb
am 18. Mai 1410.
Nach Ruprechts Tode stand für die östlichen Kurfürsten,
die Herrscher von Brandenburg, Sachsen und Böhmen, das
Königtum Wenzels noch fester, als bisher. Für sie bedurfte
es keiner neuen Wahl. Dagegen war für die vier rheinischen
Kurfürsten der Thron erledigt.
Wen sollten sie wählen? Die Nation war von Empfindungen
bewegt, die denen gegen Schluß des Interregnums glichen.
Eines Königs, der kräftiger war, als Ruprecht, bedurfte man im
Reiche. Ein Schwächling an Person und Hausmacht würde
nirgends Zustimmung gefunden haben. Und auch die Kirche
sehnte sich, wie um 1270, nach einem starken deutschen König.
Seit dem Konzil von Pisa gab es drei Päpste: wer anders
schien noch die Einheit der Kirche wieder herbeiführen zu
können, als der Universalvogt der Kirche, der zum Kaiser ge⸗
krönte deutsche Herrscher?