Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Königtum und Kämpfe zwischen Fürsten, Adel und Städten. 389 
Unter diesen Erwägungen konnte im Jahre 1410 nur ein 
Angehöriger des luxemburgischen Hauses für die Wahl in 
Betracht kommen: dies Haus allein besaß noch eine überragende 
Macht. Und hier konnte es sich für die rheinischen Kurfürsten, 
da Wenzel für sie hinwegfiel, nur um Jost von Brandenburg 
oder Sigmund von Ungarn, den Bruder Wenzels, handeln. 
Auch zwischen diesen beiden schien die Wahl einfach genug. 
Jost war ein Mann ohne Charakter; es schien ihm angeboren, 
unredlich zu sein; niemand traute ihm. Sigmund war in 
Deutschland persönlich weniger bekannt. Aber sein Name ward 
oft genannt in Verbindung mit großen Ereignissen; und obwohl 
noch in den Mannesjahren, konnte er fast schon als sagen— 
berühmt gelten. Als König von Ungarn war ihm die Ver— 
teidigung der Christenheit gegen die Osmanen zugefallen, nach— 
dem in der furchtbaren Schlacht auf dem Amselfelde (17. Juni 
1389) das großserbische Reich zerstört worden war. In der 
That hatte er eine neue Kreuzzugsbegeisterung, wenn auch nur 
von kurzer Dauer, zu entfachen gewußt; Franzosen unter dem 
Marschall von Boucicault, deutsche Ritter unter dem Großprior 
des Deutschordens, Friedrich von Hohenzollern, waren seinem 
Lande zugezogen, um mit ihm gegen die Heiden zu streiten. 
Nun war allerdings das gemeinsame Christenheer den Türken 
in der Schlacht bei Nikopolis (28. September 1396) unterlegen, 
und Sigmund war dem Tode und der Gefangenschaft nur durch 
Rettung auf eine venetianische Galeere, die ihn nach Ragusa 
brachte, entronnen. Aber da die siegreichen Türken ihre Waffen 
in den nächsten Jahren vornehmlich gegen Griechenland und 
Kleinasien kehrten und später, nach dem Tode des Sultans 
Bajesid, schwer unter inneren Wirren litten, so blieb Westeuropa 
zunächst von ihnen verschont; und unter seinen Nationen galt 
Sigmund um das Jahr 1410 als der glorreich besiegte Erretter 
vom türkischen Einfall. Es war ein militärischer und politischer 
Kredit, der ihm für die Wahl zum deutschen Könige sehr zu 
statten kommen mußte. 
Wären nun nur die rheinischen Kurfürsten, die an Sig— 
mund zunächst gedacht hatten und dachten, unter sich einig ge—
	        
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