Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Konziliare Bewegung, Wiener Konkordat vom Jahre 1448. 397 
sich virtuos im 14. Jahrhundert der finanzielle Feldzug des 
Papsttums. Noch die Bullen Papst Bonifaz' VIII., der neun 
Jahre regierte, hatten erst ein großes Kopiebuch gefüllt; der 
erste schismatische Papst in Avignon dagegen, wobei allerdings 
zu beachten ist, daß von jetzt ab häufiger in die Register ein— 
getragen wurde, brachte es in sechzehn Jahren schon auf 
91 Bücher, von denen etwa 21 allein dem ersten Jahre ange— 
hören?: und zum größeren Teile bezog sich ihr Inhalt auf 
finanzielle Transaktionen der Kurie. Ein raffiniertes System 
der Aneignung von Pfründengehältern zur weiteren Vergebung 
an päpstliche Beamte und päpstliche Günstlinge, der Tantioͤmen 
bei Verleihung solcher Pfründen, der Union, Inkorporation 
und Kumulation von Pfründen zum Zweck ihrer Anhäufung 
namentlich in der Hand der Kurialen wurde ausgebildet; und 
geschickte Definitionen verschleierten den Begriff der Simonie, 
der fast all diesen Geschäften zu Grunde lag. Eine förmliche 
Wissenschaft der Beweise für die Notwendigkeit, daß die 
Kirche durch das Papsttum finanziell aufgesaugt werden 
müsse, entwickelte sich und ward im emsigen Fleiß einer 
skrupellosen Praxis weiter gebildet; schon im 14. Jahr— 
hundert galt in Rom alles als feil, und das harte Wort des 
Aneas Sylvius? hätte schon vor der konziliaren Periode ge— 
fallen sein können: Nihil est, quod absque pecunia Romana 
curia dedat; nam et ipsae manus impositiones et Spiritus 
suncti dona venduntur; nee peccatorum venia nisi nummis 
mpenditur. 
Denn die Kurie blieb nicht bei der finanziellen Aushöhlung 
der Kirche stehen; ihrer Geldsucht fielen auch schon die Laien 
zum Opfer. Und war der kirchliche Druck bedenklich, bedenk— 
licher und schamloser war der Druck auf die Laien. Hier handelte 
es sich nicht mehr um die Störung kirchlichen Berufs, sondern 
um die Verhöhnung religiöser Bedürfnisse: wie sollte eine Praxis 
Wenck, Zeitschrift für Allgem. Gesch. 1, 601. 
66. Brief an Joh. Peregallus.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.