Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

34 Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel. 
Das Reich war von Sigmund in den ersten Jahren seiner 
Herrschaft nicht aufgesucht worden. Er war als König von 
Ungarn in Anspruch genommen gewesen, namentlich durch einen 
Krieg gegen Venedig, der erst im April 1413 mit einem Waffen— 
stillstand endete. Und hierauf wandte sich der König zunächst 
noch gegen Mailand, denn er hatte versprochen, es dem Reiche 
zurückzugewinnen; mit dem Angebinde dieses Erwerbs wollte 
er nördlich der Alpen erscheinen. Nun gelang die Eroberung 
Mailands allerdings nicht; doch huldigten andere Fürsten und 
Städte Oberitaliens, und Theodor von Montferrat konnte zum 
Vikar des Reiches ernannt werden. Vor allem aber gestaltete 
sich in dieser Zeit die Lage des Königs gegenüber dem Papst— 
tum günstig. König Ladislaus von Neapel ging damals auf 
die Eroberung ganz Italiens aus; am 8. Juni nahm er Rom; 
Johann XXIII. der Nachfolger des Pisaner Papstes Alexanders V., 
mußte vor ihm nach Florenz fliehen und sah sich auf einmal 
in bedrängtester Lage. 
Sigmund benutzte den Augenblick geschickt, indem er sofort 
die alten Vogtrechte des deutschen Königs über die Universal⸗ 
kirche aufleben ließ. Im Interesse der Kirchenreform wie der 
Beilegung der hussitischen Bewegungen in seinem Erbreich 
Böhmen drang er dem Papste die Zusage ab, auf einem neuen 
Konzil zu Konstanz zu erscheinen, und erließ am 80. Oktober 
1413 die Einladung zu diesem, noch ehe der Papst seinerseits 
eine Einberufung veröffentlicht hatte. 
Nun kam es freilich darauf an, dem formellen Aufgebot 
die thatsächliche Ausführung zu sichern. Sigmund suchte vor 
allem die Deutschen zu gewinnen. Er kam ins Reich, er be— 
freundete sich mit den Städten, er suchte mit den Fürsten an—⸗ 
zuknüpfen. Zugleich mußte der Anteil Englands und Frank— 
reichs gewonnen werden. Das war leicht bei England; denn 
schon seit dem Jahre 1411 war Sigmund mit dem Lande ver⸗ 
bündet. So stimmte König Heinrich V. jetzt rasch dem Aufruf 
Sigmunds zu, und schon bei der Krönung zu Achen war die 
englische Konzilsgesandtschaft zugegen. Um so schwerer schienen 
die Franzosen zu überreden, stetige Gegner Englands in diesen
	        
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