Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Konziliare Bewegung, Wiener Konkordat vom Jahre 1448. 409 
Es war klar, daß Martin bei kluger Politik die weitere 
Kirchenreform zu vereiteln imstande sein würde. Allerdings fand 
er einige spärliche Anfänge der Reform beraten und beschlossen 
bor: sie waren längst vorbereitet, und das Konzil hatte sie 
rasch noch im Oktober 1417 angenommen. Sie enthielten 
Bestimmungen über die Papstwahl und über die Vermeidung 
künftiger Schismen, über die Periodizität der Konzilien und 
wirklich auch über zwei Punkte der päpstlichen Finanzpolitik. 
Angeschlossen war ihnen außerdem ein Programm weiterer 
Reformen, auf das der Papst sich verpflichten sollte. Die Art 
nun, wie Papst Martin dies Programm behandelte, mußte 
zeigen, wie er überhaupt über Kirchenreform und Konzilien 
dachte. 
Martin ließ sich im Januar 1418 thatsächlich dazu herbei, 
das Programm mit einem von dem Konzil eingesetzten Reform⸗ 
ausschuß zu beraten. In diesen Beratungen ergab sich aber, 
was vorauszusehen war: jede Nation, jetzt der Autorität eines 
allgemeinen Konzils entronnen, verlangte eine verschiedene Be⸗ 
handlung ihrer Klagen und Bedürfnisse: die nationale 
Differenzierung der abendländischen Völker siegte ob über die 
universalen Anschauungen der alten Kirche. Und diesmal 
konnte sich die Kurie das nationale Drängen zu nutze machen. 
Sie versprach, die Punkte, in denen sich Differenzen der An— 
schauung ergaben, mit den einzelnen Nationen in gesonderten 
Konkordaten zu erledigen. Man ging auf den Gedanken ein — 
und immer wichtigere und zahlreichere Punkte des Programms 
wurden als den Konkordaten vorbehalten bezeichnet. Nach 
dieser Aushöhlung wurde das Programm am 21. März 1418 
angenommen — es war auf sieben Reformdekrete zusammen⸗ 
geschmolzen —, und da gleichzeitig die Konkordate abge— 
schlossen oder im Abschluß begriffen waren, so wurde die 
Kirchenreform als ausgeführt erklärt und der Papst von 
weiteren Verhandlungen entbunden. 
Was war erreicht? Manches, was den Zeitgenossen be— 
deutend erschien; nichts, was zu einer wahren und tiefen 
Reform der Kirchenverfassung hätte führen können. Auch
	        
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