Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

410 Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel. 
wurden selbst die Konkordate wiederum, außer dem englischen, 
kaum ausgeführt. Das französische ward vom Parlament als 
ungenügend verworfen; offen betrat die Kirche des Westens den 
Weg, der zu den gallikanischen Freiheiten geführt hat. Das 
deutsche war, wie das mit den vereinigten Nationen der Fran— 
zosen, Spanier und Italiener abgeschlossene, nur auf fünf Jahre 
bewilligt, eine Zeit, die bei den deutschen Verhältnissen zur 
Durchführung notorisch nicht hinreichte; in der That ist es im 
Reiche kaum zu Anfängen einer Ausführung der Konstanzer 
Reformen gekommen. 
Papst Martin V. aber zog am 16. Mai 1418 mit großem 
Pompe von Konstanz ab, nicht mehr gebunden an die Fesseln 
des Konzils, gedachte er Rom und die alte Suprematie der 
Statthalter Christi von neuem zu gewinnen. Ende September 
1420 ritt er in Rom ein; die konziliare Bewegung galt ihm 
als Unrecht; soweit sie noch bestand, suchte er sie zu ersticken. 
IV. 
Das deutsche Königtum ging aus den Konstanzer Jahren 
geschwächt und gedemütigt hervor. Wie anders hatte doch die 
zwiespältige Königswahl des Jahres 1198 in Deutschland auf 
die Kurie eingewirkt, als jetzt die zwiespältigen Papstwahlen auf 
das Königtum! Der Wahl Philipps und Ottos waren die großen 
Zeiten Innocenz' III. und der Verfall des Kaisertums gefolgt: 
jetzt ging die Kurie siegreich hervor aus den schweren Prüfungen 
der letzten Jahrzehnte. Der Gegensatz der Entwicklung beruht 
auf dem Unterschied der tieferen Kräfte, die das Papsttum im 
13., das Königtum im 15. Jahrhundert einzusetzen hatte. Als 
Sigmund durchgreifen wollte, versagte das Reich. Die könig— 
liche Würde war nichts mehr als ein Titel, der etwas bedeuten 
konnte nur noch in Verbindung mit anderweitiger Macht. 
Schon Karl IV. hatte das wohl gewußt. So war all 
sein Streben der Begründung einer luxemburgischen Hausmacht 
gewidmet gewesen, die das ganze östliche Deutschland von der 
Ostsee bis zur Donau, sowie Ungarn und Polen umfassen sollte: 
es war das Ideal König Otokars in gewaltigerer Abmessung 
Jewesen. Nach dem Tode Karls unterlag der Gedanke, ent—
	        
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