Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

412 Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel. 
mals verschrieb und auch die Kurwürde verlieh. Dem folgte dann 
am 18. April 1417 zu Konstanz die feierliche Belehnung, ein 
Zeichen, daß Sigmund an einen Rückkauf des Landes nicht 
mehr dachte. Die wichtigste Position der Luxemburger in 
Norddeutschland war damit verloren; der kurfürstliche Hohen— 
zoller aber vereinigte seit 1420, nach dem Absterben seines 
älteren Bruders Johann, den fränkischen Besitz der Hohenzollern 
mit dem neugewonnenen Lande. 
Die zwanziger Jahre brachten eine weitere Schwächung des 
luxemburgischen Einflusses nun auch in Mitteldeutschland. 
Nachdem der Askanier Albrecht aus der Wittenberger Linie, 
Kurfürst von Sachsen, gestorben war, belieh Sigmund am 
b. Januar 1428 den Markgrafen Friedrich den Streitbaren von 
Meißen mit dem Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg; neben den 
Hohenzollern waren die Wettiner zur Kurwürde gelangt; aus— 
geschlossen schien fürderhin der Gedanke, daß Meißen und andere 
mitteldeutsche Länder einmal Lehen der böhmischen Krone 
werden könnten. 
Hohenzollern und Wettiner aber entwickelten sich von nun 
ab zu den großen Fürstenmächten des Nordostens; und in den 
Vordergrund trat zunächst das Haus Wettin. An seine kur— 
fürstliche Linie gelangte Thüringen nach dem Tode des Land— 
grafen Friedrich am 4. Mai 1440; es erhielt außerdem Aus— 
sichten auf Luxemburg; einer seiner Sprossen ward auf den 
würzburgischen Bischofsstuhl berufen; und es schickte sich an, 
die Lausitz zu erwerben, die Sigmund in weiterem Leichtsinn 
dem Ritter Hans von Polenz seit dem Jahre 1429 als Land⸗— 
vogtei pfandweis überlassen hatte. 
So schrumpfte die Macht des Hauses Luxemburg schon im 
zweiten und dritten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts zu einer 
bloßen Macht des Südostens zusammen; neben Ungarn blieb 
nur der Anspruch auf Böhmen und Mähren. Nun hatte 
Sigmund freilich nach dieser Seite hin die Aussichten fleißig 
zu vermehren gesucht. Schon am 11. September 1411 hatte 
er seine damals zweijährige Tochter Elisabeth mit dem jugend⸗ 
lichen Habsburger Albrecht verlobt. Albrecht, der spätere
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.