Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

114 Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel. 
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alten Gotteshaus der deutschen Kaufleute, das bald zum Mittel— 
punkt ernst asketischer Reformen ward; dann der Nachfolger 
Konrads, Milicz von Kremsier, ein furchtloser Prediger in 
seiner mährischen Muttersprache wie in deutscher und eechischer 
Zunge, der sich in apokalyptischen Schwärmereien erging und 
Karl IV. einmal öffentlich als Antichrist bezeichnet hat; endlich 
der mehr in der Stille als Seelsorger und Schriftsteller für 
die Reform der Kirche wirkende Domherr und Beichtvater an 
der erzbischöflichen Hauptkirche in Prag, der St. Veitskathedrale 
auf dem Hradschin, Matthias von Janow. 
Die Zeit dieser Gruppe lief ab mit dem ausgehenden 14. Jahr⸗ 
hundert. In den Folgejahren trat eine andere Generation auf, 
radikaler, an dem englischen Reformator Wiclif gebildet und seine 
Lehren sklavisch wiederholend: ihre' Häupter sind Hieronymus von 
Prag, der dechische Hutten, und allen voran Johann von Husinec, 
Huß genannt, seit 1896 Dozent an der Prager Universität, 1402 
Rektor und seit diesem Jahre Prediger an der Bethlehemskapelle 
der Hauptstadt. Huß sog das theologische System Wiclifs, mit 
dem er in den ersten Jahren des wachsenden Jahrhunderts durch 
Hieronymus bekannt geworden war, in tiefster Seele ein: die 
Opposition gegen den Ablaß und die Ohrenbeichte sowie den 
Reliquien⸗, Bilder- und Heiligendienst, die Verwerfung der hier— 
archischen Gliederung und der Suprematie des Papstes, die 
Forderung eines christlichen Armutsideals und innerlich religiöser 
Gesinnung, die Zurückführung des juristisch gewordenen In— 
stituts der Kirche auf die sittlichen Grundlagen der Frühzeit. 
Und bald erhielten diese Lehren, in begeisterten Predigten 
verkündet, speziell dechische Färbung, indem die leitenden Personen 
in den Streit der Nationalitäten an der Prager Univerfität ver—⸗ 
wickelt wurden. Von den Landsmannschaften, in welche die 
Prager Studentenschaft zerfiel, der bayerischen, sächsischen, 
dechischen und polnischen, war nach der Begründung der Uni— 
versität Krakau die polnische als national so gut wie weggefallen 
und deutsch geworden. Die Folge war, daß die Cechen an der 
Universität des eignen Landes fast stets von den Deutschen über—
	        
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