Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

KNonziliare Bewegung, Wiener Konkordat vom Jahre 1448. 417 
sieben Ratsherrn zum Fenster hinaus. Auf die Kunde hiervon 
rührte Wenzel am 16. August 1419 der Schlag. 
Nach kurzer Zwischenherrschaft der Königin-Witwe nahm 
iich darauf König Sigmund der Dinge an. Sie standen nicht 
ganz ungünstig für ihn; die gemäßigte Partei gelobte ihm im 
November 1419 zu Brünn Unter werfung. Allein Sigmund mußte, 
wollte er aus seinem Verhalten auf dem Konzil die Konsequenz 
ziehen und, wie es sich für einen künftigen Kaiser geziemte, seine 
Feindschaft gegen die Ketzer beweisen, zum Kriege greifen. Schon 
im Frühling des nächsten Jahres zeigte er durch Hinrichtung 
von 23 aufsässigen Bürgern und Verbrennung eines hussitischen 
Wanderpredigers in Breslau, was er der Bewegung für ein 
Schicksal zu bereiten gedachte; er veranlaßte auch eine Kreuzzugs— 
bulle Martins V. gegen Wiclifiten, Hussiten und andere Ketzer. 
Das bedeutete den Krieg, und furchtbar brach er nunmehr 
herein. Das ganze dritte Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts ist 
erfüllt von einem wüsten Hin und Her deutsch-kechischer Kriegs— 
züge, die, nicht am letzten durch deutsche Schuld, zum erbar—⸗ 
mungslosen Wüten militärischer Banden entarteten: schon im 
Jahre 1421 erhielten die Krieger des deutschen Kreuzheeres die 
Weisung, sie sollten im Böhmenlande männiglich totschlagen, 
ausgenommen die Kinder, die ihre Vernunft nicht hätten. 
Der Erfolg aber war je länger je mehr auf Seite der Cechen. 
Sie siegten bei Prag und am Zizkaberge, bei Saaz und Deutsch-— 
Brod, und seit dem Jahre 1427 trugen sie die heimischen Waffen 
über die Grenzen nach Schlesien und nach der Lausitz, nach Meißen, 
Sachsen und Franken, später auch nach sterreich, Ungarn, Bran— 
denburg und Thüringen, ohne daß neu aufgestellte Heere der 
Deutschen ihnen bei Aussig und Mies mit Erfolg entgegengetreten 
wären. Das Reich zeigte sich vollkommen ohnmächtig, die Fürsten 
—DDDDDDD 
und mancher vom Adel hielt es mit dem fremden Volk, dessen 
Führer in glühenden Manifesten die kommende Freiheit priesen. 
Die Cechen ihrerseits benutzten das blutige Jahrzehnt zum Ab⸗ 
schluß gärender Reformen. In Glaubenssachen brachten schon die 
vier Prager Artikel vom 10. Dezember 1420 die erste Form der 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. IV. 27
	        
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