Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

—418 Dreizehntes Buch. Zwettes Kapitel. 
Einigung, später sind sie noch um zwei Artikel vermehrt worden. 
Für den Krieg organifierten Zizka und die beiden Prokope uner⸗ 
schöpfliche Scharen neuen Fußvolks. Zur Begründung einer 
nationalen Verfassung wurde ein Wohlfahrtsausschuß eingesetzt, 
später der polnische Prinz Sigmund Korybut als Herrscher berufen. 
Aber gerade auf dem Gebiete der weltlichen Verfassungs⸗ 
organisation scheiterten alle selbständigen Versuche. Immer 
wieder sah man sich vor halben Lösungen, immer wieder kam 
man auf König Sigmund, den berechtigten Erben, zurück. So 
namentlich seit dem Jahr 1429. Indes zeigte sich auch hier 
ein Fortschritt nur möglich unter gleichzeitiger Auseinander⸗ 
setzung auf kirchlichem Gebiete. Sehr zum rechten Augenblick 
kam daher für diese Schwierigkeiten die Einberufung eines neuen 
Konzils nach Basel im Sommer 1481: hier konnte man eher, 
als in Verhandlungen mit dem Papste, die Duldung der hussi⸗ 
tischen Sonderkirche im Schoße des allgemeinen abendländischen 
Christentums zu erlangen hoffen. Vor allem war das die An—⸗ 
sicht der gemäßigten Hussiten unter der Führung Johann 
Rokyczanas: sie besandten das Konzil und erhielten von ihm 
eine Reihe von Sonderrechten gewährleistet, die unter dem Namen 
der Prager Kompaktaten bekannt sind (80. November 1433). 
Für die Cechen freilich war die Annahme der Kompaktaten 
seitens der Gemäßigten über Erwarten verhängnisvoll. Die 
Radikalen beruhigten sich nämlich nicht mit dem Erreichten, sie 
zogen vielmehr jetzt gegen die zufriedengestellten Utraquisten; in 
offnem Kampfe zerfleischten sich die Söhne der Nation, und 
die Radikalen wurden in der furchtbaren Schlacht von Böhmisch— 
Brod am 30. Mai 1434 besiegt. Damit trat eine nationale Er⸗ 
schlaffung ein, die nun der schon früher angebahnten Versöhnung 
mit Sigmund fast nichts mehr entgegenstellte. Man einigte sich 
am 14. Februar 1485 auf 14 Artikel, deren Anerkennung man 
von Sigmund fordern wollte, ehe er die Zügel der böhmischen 
Herrschaft ergriffe. Sigmund nahm sie im Juli 1435 zu Brünn 
an, am 28. August 1486 zog er zu Prag ein: die luxemburgische 
Herrschaft im alten böhmischen Kernlande schien gesichert. 
Aber es schien nur so. Die religiösen Schwierigkeiten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.