124 J Dreizehntes Buch. Zweites Kapitel.
gewärtig zu sein. Es war ein voller Sieg des Konzils über
die Kurie.
Wie stellte sich zu alledem König Sigmund? Er war sich
bewußt, jene alte Rolle des übermächtigen Kirchenvogts nicht
wieder aufnehmen zu können, die er in den ersten Jahren des
Konstanzer Konzils mit Erfolg gespielt hatte: die Ohnmacht
des Reiches sprach einem solchen Plane Hohn. So versuchte
er von anderer Seite her die alte ausschlaggebende Stellung
zu erreichen.
Im Herbst 1431 zog er nach Oberitalien, am 25. November
1431 wurde er mit der eisernen Krone der Lombarden gekrönt.
Im übrigen war er mittellos; die Bürger von Mailand,
Piacenza, Lucca, Siena hatten ihn, widerwillig genug, zu er—
nähren. In Siena blieb der König schließlich fast ein volles
dahr, von Juli 1482 bis Mai 1433, in thörichte Liebeshändel
verstrickt, ein machtloser Condottiere, zugleich von den Floren—
tinern, die sich ihm gegenüber eine unglaublich zügellose Sprache
erlaubten, belagert: wie er selbst sagt, gleich einem wilden
Tiere in einem Käfig. Trotzdem erreichte er seinen Zweck.
Indem er sich aufs festeste zum Konzil hielt, gleichzeitig aber
dem Papste bemerklich machte, er sei um den Lohn der Kaiser⸗
krönung zum Abfall bereit, vermochte er diesen zu dem lang—
ersehnten Schritte. Am 31. Mai 1433 empfing er die kaiserliche
Krone; die Kosten des Festmahls bestritt der Papst.
Und nun trat die Absicht Sigmunds zu Tage. Langsam
bettelte er sich über Ferrara und Mantua nach Basel durch,
um dort, umflossen vom kaiserlichen Nimbus, die Macht alt—
romantischer Vorstellungen zur Erringung einer überlegenen
Stellung über Papst und Konzil zu erneuern.
Er kam zu unglücklicher Zeit. Mit den ersten Monaten
des Jahres 1484 hatte die Macht des Baseler Konzils ihren
Höhepunkt erreicht. Soeben war durch Bestätigung der Prager
Kompaktaten die Einigung mit den Hussiten errungen worden;
bald darauf ward die volle Unterwerfung Eugens unter das
Konzil entgegengenommen. In diesem Augenblick hätte das
Konzil einen Schattenkaiser als Vogt ertragen sollen? Im