Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Konziliare Bewegung, Wiener Konkordat vom Jahre 1448. 427 
feindlich entgegentrat. Noch wenige Jahre zuvor hatte Nikolaus 
hon Kues in seinem großen staatskirchenrechtlichen Werke De 
cncordantia catholica dem Kaiser die wesentlichste Rolle in 
dem Staats- und Kirchensystem der westeuropäischen Welt an⸗ 
zgewiesen: jetzt waren diese Theorien längst und so gut wie 
für immer durch den Gang der Ereignisse überholt. 
Dem deutschen König und den deutschen Fürsten konnte es 
nur noch darauf ankommen, für die Nationen und die Staats- 
gewalten aus dem Verlauf der konziliaren Bewegung zu retten, 
was zu retten war. 
VI. 
Um das Jahr 14838 lagen die Aussichten in dieser Hinsicht 
für eine selbstbewußte und kräftige Regierung ungemein günstig. 
Das Baseler Konzil war in der theoretischen Bearbeitung der 
Reformbedürfnisse immer weiter gegangen; es hatte dem Staats— 
mann die zu erstrebenden Ziele gezeigt. Der Papst und sein 
talienisches Konzil andererseits waren anerkennungsbedürftig 
und geneigt, mit den fürstlichen Gewalten jenseits der Alpen 
zu verhandeln. So lag es für jede gesunde Politik auf der 
Hand, daß die theoretischen Forderungen der Baseler durch 
Verhandlungen mit dem Papste in allerseits anerkannte That⸗ 
sachen umzuwandeln seien. 
Frankreich hat dementsprechend gehandelt. Die wichtigsten 
Baseler Reformdekrete wurden hier am 7. Juni 1488 als prag⸗ 
matische Sanktion der nationalen Kirche verkündet, gleichwohl 
ward mit Eugen IV. im Jahre 1440 Friede geschlossen. Die 
Aurie ergab sich gegenüber der Sanktion dem tolerari posse; 
so entstand die gallikanische Kirche. 
In Deutschland freilich war dieser Weg von seiten der 
Zentralgewalt kaum noch gangbar. Wie wenig wollte Kaiser 
Sigmund in seinen letzten Jahren gegenüber Karl VII. von 
Frankreich bedeuten! Zudem starb er in der kritischen Zeit, 
am 9. Dezember 14837. Sein Nachfolger aber, Albrecht II., 
war ausschließlich im Osten beschäftigt und starb vollends 
vorzeitig, am 27. Oktober 1489. Und Friedrich III., am 
27. Februar 1440 zum König gewählt, war alles andere
	        
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