Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Konziliare Bewegung, Wiener KRonkordat vom Jahre 1448. 429 
des Reiches an der Neutralität der Seite Eugens zuzuwenden 
begann. Die Anlässe hierzu waren kleinlicher persönlicher 
und territorialer Natur. Die dem Konzil freundlich gesinnten 
geistlichen Kurfürsten am Rhein waren dem König minder 
genehm; in einem Streit mit den Schweizern bedurfte er der 
Hilfe des papstfreundlichen Burgunds; der Kanzler des Königs, 
Kaspar Schlick, Gunstbezeugungen seitens des Papstes zu— 
gänglich, arbeitete für die Kurie, nicht minder die Friedrich 
nahestehenden Kardinäle Cesarini und Carvajal und der schlaue 
Aneas Sylvius, eben damals Geheimschreiber des Königs, ein 
Mann von leichten Sitten und vollendeter Gewissenlosigkeit, 
aber einschmeichelnden Formen: Gründe genug für Friedrich, 
sich Eugen zuzuneigen. Völlig auf die Seite des Papstes freilich 
trat der König erst nach massiveren Leistungen; im September 
1448 erhielt er als Herzog von sterreich lebenslänglich das 
Recht, die Kandidaten für die sechs Bistümer seines Landes vor⸗ 
zuschlagen, ferner dauernd das Vorschlagsrecht für die Visitatoren 
der österreichischen Klöster und das Verleihungsrecht für hundert 
kirchliche Benefizien. Es waren Bedingungen, ebenso vorteilhaft 
für das Haus Habsburg wie für den Papst, der mit Zugeständ— 
nissen dieser Art Friedrich dauernd an sich fesselte: mit ihrer 
Annahme hatte Friedrich das Reich verraten. 
Aber auch als König waren ihm noch, falls er die Zu— 
stimmung des Reichs erlangen konnte, neue Konzessionen in 
Aussicht gestellt: die Kaiserkrone nebst 100 000 Gulden Zuschuß 
zur Romfahrt, das Recht der ersten Bitten und ein Zehnt 
von allen Pfründen im Reiche. Es waren Gnaden, deren 
Verleihung ihn zum Mitschuldigen an dem Erpressungssystem 
der Kurie machen sollte, deren Annahme mithin fast jede Reform 
im Sinne des Baseler Konzils undurchführbar zu machen be— 
stimmt war. 
Und als sich der Papst der Zustimmung des Königs zu 
diesem schamlosen Handel sicher wußte, setzte er, am 24. Januar 
1446, seine beiden Hauptgegner in Deutschland, die baslerisch 
gesonnenen Erzbischöfe von Köln und Trier, als Ketzer und 
Empörer gegen den heiligen Stuhl ab. Es war unerhört; mit
	        
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