30 Dreizehutes Buch. Zweites Kapitel.
den Erzstühlen wagte der Papst zugleich über zwei deutsche
Kuren zu verfügen. Aber diesmal hatte er sich denn doch
berrechnet.
Einmütig erhoben sich die Kurfürsten, erneuerten den Kur⸗
verein von Rhense oppositionellen Andenkens und beschlossen,
eine Gesandtschaft an König und Papst zu senden, in der
Gregor von Heimburg von beiden Rechenschaft fordern sollte
und Widerruf: die beiden Kurfürsten sollten wieder eingesetzt,
die bisher durchgeführten Reformen gutgeheißen werden, und
gefordert werden sollte die Anerkennung der obersten Autorität
der Konzilien und die Berufung eines neuen Konzils nach einer
deutschen Stadt bis zum 1. Mai 1447.
Die Gesandtschaft ging zuerst nach Wien, von da unter Be—
gleitung des Aneas Sylvius nach Rom. Ju Rom sagten die
Deutschen dem Papst einige derbe Wahrheiten, wenn auch in
klassischem Latein; im übrigen erreichten sie nichts. Eugen zog
die Verhandlungen hinaus und versprach schließlich, den nach—
maligen Papst Nikolaus V., Thomas von Sarzana, einen feinge⸗
bildeten Mann und gewandten Diplomaten, zur Verständigung
nach Deutschland zu schicken. In der That erschienen Thomas
und seine Mitbevollmächtigten im September 1446 auf einem
Reichstage zu Frankfurt; und es gelang ihnen hier, nach
energischer Vorarbeit seitens der königlichen Partei, von neuem
eine Anzahl von Fürsten für den Papst zu gewinnen. So
wurde man im Reiche immer weicher; man beschloß jetzt, daß
eine neue Gesandtschaft die Wünsche der Deutschen in milderer
Form zu Rom vortragen solle. Diese Gesandtschaft, in
deren Instruktionen Aneas Sylvius alle strengeren Forderungen
in einem Schwall gewandter Phrasen erstickt hatte, ritt
am 7. Januar 1447 mit großem Pompe zu Rom ein. Die
Kurie war ihr gegenüber äußerst zuvorkommend; ihre Er—⸗
gebnisse waren dementsprechend gering. Zwar wurde die Ab—
setzung der beiden rheinischen Kurfürsten zurückgenommen; auch
wurde der Gedanke an ein künftiges Konzil nicht völlig ab—
gewiesen. Im übrigen aber ließ sich der Papst weder auf
offene Anerkennung noch Ablehnung der in Deutschland durch—