138 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
redung. Dazu kam eine Halbheit des Charakters, die ihn be—
fähigte, oft zweierlei zugleich zu wollen, indem er nicht ehrlich
und energisch genug war, den Zwiespalt von Reichs- und
Hausinteressen in sich zu lösen — bis schließlich stets die Haus⸗
interessen siegten: denn Friedrich war ein fatalistischer Fanatiker
der künftigen Größe seines Geschlechts.
Freilich: die Gegenwart lud nicht zu freudigem Stolze
auf die habsburgischen Errungenschaften ein. In der Zeit, da
Friedrich zum König gewählt ward, drohte allenthalben in den
habsburgischen Ländern der Aufruhr, geschürt durch Albrecht
und die Grafen von Cilli, deren reichen Besitz im Südosten
von Krain Kaiser Sigmund zum Reichsfürstentum erhoben
hatte: einen Pfahl im Fleische Osterreichs. Indes Friedrich ließ
sich des nicht verdrießen, er wich dem Aufruhr aus und ging
ins Reich. Ein für ihn typischer Zug. Schon Sigmund war
unangenehmen Lagen daheim bisweilen durch Reisen ins Aus—
land entgangen; bei Friedrich wird das System; seine Fahrten
ins Reich sind Erholungsreisen vom heimischen Jammer. So
ward er denn am 17. Juni 1442 zu Achen gekrönt; 1443 war
er wieder an der Donau.
Und wieder erhob sich der Aufruhr. Die vorderösterreichischen
Lande riß Albrecht an sich, die Tiroler forderten ungestüm Sig⸗
mund heraus, den Friedrich in einer Art vormundschaftlicher
Gefangenschaft hielt. Friedrich konnte nicht umhin, ihm am
9. April 1446 die Regierung Tirols zu übergeben; nur das
nackte Prinzip der Unteilbarkeit aller habsburgischen Lande
rettete er. In Osterreich endlich, das Friedrich für den kleinen
Ladislaus verwaltete, herrschte vollkommenste Zerrüttung. Der
Freiherr Ulrich von Eitzing, ein mächtiger Adliger, hatte hier
den allgemeinen Unwillen gegen Friedrich organisiert; am
14. Oktober 1451 kam es zu einem förmlichen Bund des
Landadels gegen den fürstlichen Vormund: man verlangte die
Herausgabe des Ladislaus und die Einsetzung einer Regent—
schaft, man berief eigenmächtig einen Landtag nach Wien und
ernannte den Eitzinger zum Statthalter. Es war offener Hoch
zerrat.