Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 443
Georg einzugreifen, hatte der Papst ihn überredet. Allein
Georg wußte sich seiner Haut zu wehren; Mathias brachte es
nicht weiter als bis zum Gegenkönig des katholisierenden
kechischen Adels. Nach dem Tode Georgs (22. März 1471) aber
ward der Polenprinz Ladislaus dechischer Herrscher, und Kaiser
Friedrich, dem übermächtigen Mathias längst gram, belehnte
Ladislaus mit Kurwürde und Königreich. So hatte Mathias
gegen den Böhmenkönig und den Kaiser zugleich zu kämpfen.
Es war eine Politik, die das Verständnis der Ungarn nur in
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gegen den Erbfeind im Osten. Unter diesen Umständen machte
Mathias am 30. September 1478 zu Ofen Frieden mit Kaiser
und Böhmenkönig. Es war ein Abschluß, der ihm nicht die
böhmische Königskrone, sondern nur den Titel eines Königs
von Böhmen brachte; das dechische Hauptland behielt Ladislaus,
doch fielen die Nebenländer, Mähren, Schlesien und die Lausitz,
an Ungarn. Friedrich ging leer aus.
Erreicht aber war damit immerhin der Untergang der großen
kechischen Macht des 15. Jahrhunderts. Freilich schon viel
früher war der geistige Verfall der dechischen Bewegung ein⸗
getreten. Die Blüte der Prager Universität war seit spätestens
den dreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts verdorrt, der tiefere
Gehalt der Lehren Wiclifs war zur bloßen, rein äußerlichen
Theorie vom Laienkelche verkümmert; erloschen war die Periode
jener Talente, die wenigstens in der Wiedergabe fremder
Gedanken fruchtbar gewesen waren, unwissend waren die Priester,
fade die Litteraten, versiegt die Kunst, und sogar die geschicht—
liche Aufzeichnung der dechischen Geschicke war wiederum in
die Hände der Deutschen geglitten.
Dafür begann jetzt auf anderthalb Jahrzehnte die Zeit
überwiegenden ungarischen Einflusses. Ungarn mit seinen Neben⸗
ländern reichte jetzt tief bis in die Gegenden des Mittel—
laufes der Oder; es grenzte an Brandenburg und Meißen,
und es trennte mit seinen schlesischen und mährischen Besitzungen
die Slavenreiche der Polen und Cechen. Einen guten Teil
der Errungenschaften der deutschen Kolonisation des 12. bis