Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
14. Jahrhunderts hob es jetzt in seinen Wirkungen wenigstens
zeitweilig auf; es bedrohte Österreich und Wien: es war die
führende Macht des Südostens.
So war der Kaiser aus seiner eigentlichen Domäne ver—⸗
drängt; wie hätte er das Centrum des Reiches beherrschen,
wie seine Westgrenze beschützen können!
II.
Im Westen des Reiches waren seit mehreren Menschen⸗
altern die bemerkenswertesten Veränderungen eingetreten. Während
Frankreich durch die englischen Kriege beschäftigt war und all
seine Kraft dem Westen und Nordwesten zuwandte, während das
deutsche Königtum den großen Hausmächten des Südostens
anheimfiel, war auf den minder beachteten deutsch-französischen
Grenzgebieten eine neue Großmacht gleichsam schmarotzerifch
emporgeschossen, das Reich Burgund.
Bald nachdem Frankreich im Frieden von Broͤtigny
(8. Mai 1360) auf große Teile seines westlichen Besitzes zu
Gunsten von England verzichten mußte, war Philipp ge—
storben, der noch unmündige letzte Nachkomme des Capetingers
Robert von der Bourgogne, jenes Landes, das sich mit der
Hauptstadt Dijon zwischen Saone und PYonne ausdehnte.
König Johann II. von Frankreich betrachtete darauf das Land
als heimgefallenes Lehen und verlieh es seinem dritten Sohne,
Philipp dem Kühnen. Philipp vereinigte mit ihm die Graf—
schaften Nevers und Charolais, sowie die Freigrafschaft Burgund
mit den Städten Dole und Besangon, ein Lehen des römischen
Reiches, das in seinen östlichen Grenzen unmittelbar an den
habsburgischen Besitz im Oberelsaß anstieß.
Zu dieser gewaltigen Ländermasse zwischen Oberrhein und
mittlerer Loire gewann Philipp ferner durch eine Heirat mit
der Erbgräfin Margaretha die Grafschaft Flandern und die
Grafschaften Artois und Rethel, Länder der französischen Krone
zwischen der Schelde und dem Gestade des Meeres!: zu dem
Vgl. Band III S. 818, sowie auch oben S. 140.