Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 445 
Besitze zwischen den Herzgebieten Frankreichs und Deutschlands 
ward so ein excentrisch liegender, im Rücken durch das Meer 
zesicherter Länderkomplex gewonnen, von dem aus sich eine 
fühnere Politik als von den südlichen Ländern her betreiben 
ließ, das Land etwa, von dem aus die Franken unter Chlodovech 
ihr Weltreich begründet hatten. 
Vorläufig freilich suchte Philipp den Anfall noch weiterer 
Länder zu dem Erworbenen nur durch Familienverbindungen 
zu sichern. Ohne des Protestes König Ruprechts zu achten, 
beranlaßte er die Herzogin Johanna von Brabant und 
Limburg, sein Haus zum Erben dieser Reichslande einzu⸗ 
setzen; und seine Töchter verheiratete er an den Grafen Wil⸗ 
helm VI. von Holland und den Habsburger Leopold IV., den 
Heherrscher der vorderösterreichischen Territorien. In dieser 
friedlich vordringenden Politik fuhr sein Nachfolger, Johann der 
Unerschrockene (1404 - 1419), fort. Er knüpfte, um den der— 
einstigen Anfall der Flandern und Burgund benachbarten Länder 
zu sichern, weitgehende Beziehungen mit den deutschen Fürsten 
zstlich jener Anfallsländer an, mit den Herzögen von Cleve und 
Mark, den Grafen von Württemberg, vor allem den vorder— 
zsterreichischen Herzögen und denen von Lothringen. Zugleich 
blieb er klug ein getreuer Vasall des Reiches für diejenigen 
Teile seiner Herrschaft, die innerhalb der Reichsgrenzen lagen. 
Philipp der Gute (1419 - 1467) pflückte dann in einer 
langen Regierung die Früchte der Thätigkeit seiner Vorgänger und 
mehrte sie durch eine nicht minder bewundernswürdige Politik 
weiterer Annexionen. Er kaufte im Jahre 1429 die Graf—⸗ 
schaft Namur zur Abrundung von Brabant, das ihm zusammen 
mit Limburg im Jahre 1480 zufiel. Er wußte im Jahre 1425 
von seiten Johanns, der dem wittelsbachischen Hause der 
holländischen Grafen angehörte, die testamentarische Zusicherung 
ZLer Grafschaften Hennegau, Holland und Seeland zu erlangen, 
ind er trotzte diese reiche Hinterlassenschaft gegen alle Proteste 
König Sigmunds, ja gegen wiederholte Kriegsandrohungen seitens 
des Reiches der rechtmäßigen Erbin Jakobe von Bayern mit 
Erfolg in den Jahren 1427 -383 ab. So besaß er das ganze
	        
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