Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

450 Dreizehntes Buch. Drittes KNapitel. 
So hast du selbst gemacht sie frei: 
Schäm' dich der großen Schande! 
Die Rettung vor den Franzosen brachte auch diesmal, wie 
schon öfter vorher, nicht deuts che Kraft mehr, sondern die Bedrohung 
Frankreichs durch Burgund und England. Im Frühjahr 1445 
räumten die Armagnaken das Land, gefolgt von den Flüchen 
und schließlich noch dezimiert durch hinterhaltige Angriffe der 
Bevölkerung. Doch blieb immerhin Epinal bei Frankreich und 
mußten Toul und Verdun, unbeschadet ihres Verhältnisses zum 
Reich, sich unter den Schutz der französischen Krone stellen 
lassen; Metz aber hatte die von ihm kräftig verteidigte Unab⸗ 
hängigkeit mit Zahlung von über 100000 Gulden an den 
französischen und den lothringischen Herrscher zu büßen. 
Lebte darauf das ursprüngliche Ziel des Krieges für König 
Friedrich, der Kampf mit der Schweiz, wieder auf, so kam der 
König auch hier zu keinem Erfolge. Die Osterreicher wurden 
am 5. März 1446 bei Ragaz geschlagen, darauf trat ein Zu— 
stand schwankender Verhandlungen ein, aus dem Hsterreich mit 
fast völligem Verlust seiner Stellung in der schweizerischen 
Zochebene hervorging; Zürich schloß sich wiederum und Schaff⸗ 
hausen zum erstenmale der Eidgenossenschaft an. 
All dies waren nun für Burgund nicht ungünstige Ereig— 
nisse; namentlich führten sie, nachdem die Absichten der Fran⸗ 
zosen auf Elsaß und Lothringen deutlich geworden waren, zu 
einer für Burgund wünschenswerten Annäherung Herzog 
Philipps und König Friedrichs. Immerhin aber lag in ihnen 
doch eine Warnung, die Verbindung der niederländischen 
und der südlichen burgundischen Herrschaftsgebiete nur im 
Falle besonders günstiger Konstellation und vor allem nicht 
ohne Festlegung der französischen Macht im Westen ins Werk 
zu setzen. Da nun eine solche Lage zunächst nicht vorhanden 
war, so wandte Philipp seine Aufmerksamkeit wieder mehr den 
Niederlanden zu, um so mehr, als sich dort für ihn gefährliche 
Entwicklungen angebahnt hatten. 
Am Niederrhein rangen seit dem Ende des 12. Jahr⸗ 
hunderts, seit der Belehnung der Erzbischöfe von Köln mit
	        
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