158 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
auch Nürnberg in dem endgültigen Vergleiche mit Albrecht am
27. April 1453 nicht gebracht. Stillstand hieß hier Rückgang
und Herausforderung neuer fürstlicher Angriffe. Sie blieben
nicht aus, und nun siegten die Fürsten schon an wichtigen
Stellen. Sieht man von Norddeutschland abi, so fiel im Jahre
1458 die Reichsstadt Donauwörth an Ludwig von Bayern⸗
Landshut, Mainz an das Erzstift; in beiden Fällen rührte
sich keine benachbarte Stadt zur Befreiung: das Bewußtsein der
gemeinsamen Interessen schien verloren.
Freilich besagte das noch nicht, daß die politische Rolle
der Städte überhaupt ausgespielt sei. Als die Fürsten in den
achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts, mittlerweile fast völlig
vom Kaiser emanzipiert, von sich aus einen rein bundesstaatlich⸗
nationalen Verband zu bilden suchten, mußten die Städte doch
schließlich als verbindender Kitt des fürstlichen Föderalismus
anerkannt werden; und bei dem nie endenden Streit der Fürsten
unter sich wurden sie wohl gar vorübergehend das Zünglein
an der Wage der Reichspolitik. Indes das waren doch nur
noch politische Konstellationen zweiten Ranges und vorüber—
gehender Art, und sie waren nus möglich nach dem gänzlichen
Siege der Fürsten über das Reichsoberhaupt.
Zunächst traten darum die Fürsten, etwa seit dem Jahre
1458, durchaus in den Vordergrund der centralen Geschichte
des Reiches. Sie hatten sich nunmehr in ihren Landen ge⸗
nügend gekräftigt zur führenden Rolle, und eine Reihe schroffer
Charaktere war in ihren Reihen einem Boden gewaltthätiger
Politik, schnöder Rechtsverkennung und widerlichen Zwists selbst
unter den nächsten Verwandten entsprossen. Den ersten Platz
nahm hier seit seinem Kriege mit Nurnberg Markgraf Albrecht
von Ansbach ein, der Vulpes Germaniae, der Sinnreiche,
mit seinen subtilen Fünden,
die niemand kann ergründen.
Darüber vgl. unten S. 482.
2 Bachmann, Deutsche Reichsgeschichte im Zeitalter Friedrichs III.
it. Max' J. 1 (1884), 10.