Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 463
allgemeinen Konzil, in der Aussicht auf ein organisches Statut
im Sinne der französischen Fanctio pragmatica die Empörung
der Nation zum Ausdruck; fast alle Kurfürsten waren einig;
ein großer Anfang zur Kirchenreform schien gewonnen.
Allein es schien nur so. Auch hier verdarben die fürst⸗
lichen Parteiungen alles. Pius I. rechnete richtig mit ihnen,
als er am 21. August 1461 den Erzbischof Diether von Mainz,
das Haupt der Reformfreunde, bannte und absetzte. Es war
ganz im Sinne der kaiserlich-ansbachischen Partei; da Diether
auf seiten der Wittelsbacher stand, so benutzte sie den Schlag
des Papstes, um den Fürstenkrieg von neuem zu entflammen.
Und diesmal siegte sie am Rhein; Diether ward vertrieben,
der Anhang Adolfs von Nassau, des mainzischen Gegenbischofs,
nahm am 28. Oktober 1462 die Stadt Mainz mit Gewalt und
hielt sie fest bis zum Tode Adolfs (1475). In Oberfranken
aͤber trugen zwar die Wittelsbacher Vorteile davon, allein noch
weniger als früher konnten sie sich der Zwischengriffe Georg
Podiebrads erwehren; seinem Schiedsspruch haben sie sich
schließlich gefügt, zu Prag am 24. August 1463.
Mit diesen Vorgängen hatten sich die Fürsten nicht bloß
wie vorher zur Reichsreform, so jetzt zur Anbahnung der
Kirchenreform unfähig gezeigt; es hatte sich zugleich ergeben,
wo in diesen Jahren der Meister der deutschen Geschicke zu
suchen war. Es war nicht zu viel gesagt, wenn Peter
Eschenloer, der Stadtschreiber von Breslau, vom König von
Böhmen bemerkte: Girsik war itzo diesem Fürsten, morgen jenem
günstig; alle suchten sie Hilfe bei ihm; er konnte sie leisten
Ind wußte wohl, wie fie zuzusagen, sie zu verweigern, die
Fehde anzuzünden, auszulöschen; denn welchem Teile er beilag,
mußte der andere unterliegen 1. Aber freilich: dem gesamten
Reiche eine Reform seinerseits aufzulegen, war auch der
Böhmenkönig nicht imstande; ein Versuch, den er im Jahre
1463 unter starker Bevorzugung seiner Krone wie der
Fürstenhüte der Pfalz, Landshuts und Ansbachs unternahm,
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1Gesch. der Stadt Breslau 1, 1738.