Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

464 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel 
ist am Widerstande des Kaisers, am geringen Entgegenkommen 
der Fürsten, sowie am gegenseitigen Mißtrauen aller ge— 
scheitert. 
So konnte von allgemeinen Reformen überhaupt nicht 
mehr die Rede sein; wer hätte sie in die Hand nehmen, wer 
sie durchführen sollen? Der Gedanke trat wohl auf, daß par—⸗ 
tikulare Reformen im Sinne modern gefaßter, einen vollen 
Friedens⸗ und Rechtszustand herbeiführender Landfriedensbünde 
segensreich wirken könnten, und daß sie zugleich dem Fürsten, 
der sie unternähme, einen bedeutenden Kreis des Einflusses 
über sein landesherrliches Gebiet hinaus erschließen könnten. 
Es ist ein Gedanke etwa im Sinne der Zollvereinspolitik des 
19. Jahrhunderts, nur zunächst allein auf die Herstellung all— 
gemeinen Friedens bezogen. Ludwig von Bayern⸗Landshut hat 
ihn zuerst gefaßt, aber alsbald wurde er von der kaiserlich— 
ansbachischen Partei an der Ausführung verhindert. Darauf 
nahm ihn Albrecht Achilles namens des Kaisers auf: da 
brachten ihn die Wittelsbacher zum Scheitern. 
In diesem Augenblicke nun, wo die Reichsinteressen völlig 
zurücktraten und nichts übrig blieb als nackteste Interessenpolitik 
der Fürsten, ist der Kaiser noch einmal mit einem persönlichen 
Entschluß hervorgetreten; er war eben jetzt in der Lage, sich ein 
wenig von dem Elend der österreichischen Zustände im Reiche zu 
erholen. Seine Gedanken liefen im Anschluß an die soeben er— 
wähnten Ideen auf einen allgemeinen Landfrieden hinaus, aber 
nur auf einen solchen im Stile des 14. Jahrhunderts, auf die in 
gewissen Grenzen sich bewegende Regelung des alteingebürgerten 
Fehdewesens; er wollte gleichsam den losen Verband der Reichs— 
einheit des 14. Jahrhunderts wieder aufleben lassen in nun— 
mehr völlig altfränkisch gewordenen Formen; das genügte ihm; 
daß inzwischen infolge der Verschiebung der städtischen und 
fürstlichen Stellung, infolge des Zerfalls des Adels, infolge 
der Entwicklung der Landesgewalten der Charakter und Zu— 
sammenhang der einzelnen Reichsteile ein gänzlich anderer ge⸗ 
worden war, und daß eine höhere Kultur stärkere Mittel fried— 
lichen Zusammenhaltes aller erforderte, begriff er nicht.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.