Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Verfall des dentschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 467 
flüchtete Kaiser Friedrich in die Arme — Burgunds. Schon 
mit dem alternden Herzog Philipp hatte er von neuem ver— 
handelt, aber erfolglos. Nun aber war dem kühlen und klugen 
Herzog am 15. Juni 1467 sein Sohn Karl der Kühne gefolgt, 
ein ganz anders gearteter Charakter; im Adlerblick und mit dem 
vorgeschobenen Kinn ein Bild der Thatkraft, wie ihn Roger 
von der Weyden öfters gemalt hat: wie oft war er schon dem 
berechnenden Verstande des Vaters feurig entgegengetreten! 
Jetzt war er frei in seinen Entschlüssen, und er erstrebte das 
Höchste, die Kaiserkrone. 
Da kam ihm das Anlehnungsbedürfnis Friedrichs eben 
recht. Allein was forderte der Burgunder als Gegenleistung! 
Der Übergang des Imperiums auf ihn, den er beanspruchte, 
bedeutete für Friedrich das volle Aufgeben seiner politischen 
Anschauungen, mochte auch der jugendliche Maximilian, Friedrichs 
Sohn, als Gemahl Marias, des einzigen Kindes Karls, sowie 
als römischer König und künftiger Kaiser nach dem Tode Karls 
in Aussicht genommen werden; und er bedeutete zugleich eine 
tödliche Vergewaltigung des Reichs, da er mit Zustimmung der 
verfassungsmäßigen Faktoren desselben schwerlich jemals durchzu— 
führen war. Nun mag Friedrich dem letzteren Gesichtspunkt viel⸗ 
leicht weniger zugänglich gewesen sein. Um so mehr aber gab 
ihm der erste zu denken: jede legitimistische Faser seiner Natur regte 
sich dagegen. Die Folge war, daß die Verhandlungen zwischen 
ihm und Burgund sich langsam dahinschleppten unter gegen— 
seitigen unzureichenden Zugeständnissen; endlich glaubte man, 
daß nur eine persönliche Zusammenkunft den völligen Ausgleich 
ergeben werde. Sie fand zu Trier statt im Herbst 1473. Aber 
sie brachte das Gegenteil des Erwarteten; am 25. November fuhr 
der Kaiser, dem burgundischen Herzoge gram und mißtrauend, 
die Mosel herab, ohne von ihm auch nur Abschied genommen 
zu haben. Es bleibt im Dunkel, welche Momente für diesen 
Bruch vornehmlich entscheidend gewesen sind, ob der vollendete 
Gegensatz der beiden Persönlichkeiten, ob das Zwischen⸗ 
treten der geängstigten Fürsten des Reichs, ob vielleicht gar 
französische Intriguen, ob andere Zwischenfälle: gewiß war, 
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