1668 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
daß Friedrich an Stelle der erwarteten Bundesgenossenschaft
Burgunds vielmehr einen neuen furchtbaren Feind eingetauscht
hatte, von dem die ganze westliche Hälfte des Reiches be—
droht ward.
Und schon bereiteten sich noch schwerere Demütigungen im
Südosten, in den österreichischen Landen, vor. Schon seit den
sechziger Jahren stießen gelegentlich türkische Scharen bis in
die Lande des habsburgischen Hauses; jetzt, 1477, erklärte der
nähere Feind, der Ungarnkönig Mathias Corvinus, den Krieg!.
Nach einer kurzen Pause erneuten Friedens nahm er seit dem
Jahre 1479 fast das ganze Land Hsterreich ein; endgültig er—
schien die Eroberung, nachdem es ihm 1483 gelungen war, mit
den Türken einen Waffenstillstand zu schließen. Nun ließ er
sich in Wien nieder, das ihm 1485 huldigte; es schien kein
Zweifel, daß er die Pläne Otokars und Kaiser Karls IV. von
Ungarn und Hsterreich her wieder aufnahm, und nur der Wider—
spruch Venedigs hielt ihn ab, sich auch der adriatischen Länder
zu bemächtigen.
Der Kaiser aber irrte, ein Flüchtling, im Reiche umher;
und das Reich, in der Frage, wie ihm zu Hilfe zu kommen
sei, von Beschluß zu Beschluß fortschwankend, doch ferne jeder
thatkräftigen Abwehr, entrichtete ihm kaum den Zoll des Mit—
leids. Der Untergang des römischen Reiches deutscher Nation
schien besiegelt, die mittelalterliche Auffassung des Kaisertums
überwunden. Neben Deutschland, als dem Träger des Reiches,
erhoben sich ebenbürtig benachbarte Nationen und Staaten; die
Ehrfurcht vor dem geheimnisvollen Zauber alter Überlieferung
aund gottgeweihten Rangs war zerstört, dank der Erbärmlichkeit
der kaiserlichen Person und dem zu Tage tretenden Verwesungs⸗
geruch einer längst zerrütteten Verfassung.
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Der volle Ruin des Reiches im Verlaufe des 18. Jahr⸗
hunderts mußte schließlich auch das Verderben seiner Glieder
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