Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 479 
hundert vor. An Stelle der alten lokalen Gilden entwickelten 
sie jetzt freiere Handelsgesellschaften vornehmlich für den Verkehr 
über See, die Staplers z. B., die Rohwaren nach auswärts 
lieferten, und die Merchant adventurers, die den Export von 
Webwaren, vornehmlich nach den Niederlanden, betrieben. So 
kam es zu einem größeren englischen Seehandel, und alsbald 
suchte dieser sich des seit alters lebhaften englischen Verkehrs 
mit Preußen zu bemächtigen. Schon im Jahre 1891 war eine 
Korporation englischer Kaufleute in Danzig begründet worden; 
1398 ward sie auf Drängen der Hanse noch einmal durch den 
Hochmeister beseitigt. Als dann aber unter dem Druck der 
polnischen Kriege das Handelsinteresse des Ordens zurücktrat, 
und als in dem neunjährigen Kampfe der wendischen Städte 
gegen König Erich die preußischen Städte neutral blieben, da 
versuchten die Engländer nochmals ihr Glück; und im Jahre 
1428 ward in Danzig eine neue englische Kaufmannsvereinigung 
von dauerndem Bestande begründet. 
Während so die westlichen Feinde der Hanse in den bisher 
fast ausschließlich dem hansischen Kaufmann vorbehaltenen Ge— 
bieten der Ostsee auftauchten, ging gleichzeitig der Einfluß der 
hansischen Ostseestädte in der Nordsee immer mehr zurück. 
Norwegen allerdings gelang es auch fürderhin noch zu halten. 
Weiter südwestlich aber sahen sich die hansischen Schiffe schon 
in dem Kriege, den England im Bunde mit Burgund seit dem 
Jahre 1415 gegen Frankreich führte, trotz neutraler Flagge von 
allen Seiten angegriffen: man wußte wohl, daß das Reich die 
deutsche Flagge nicht decken würde. 
Schlimmer war es, daß sich in England eine immer 
heftigere Bewegung gegen die hansischen Privilegien erhob, denn 
diese Bewegung legte in ihrem Verlauf den fundamentalen Gegen— 
satz zwischen den Handelsinteressen der rheinischen Hansestädte 
und denen der Osterlinge in England dauernd bloß. Waren die 
Engländer zur weiteren Erstreckung der Hansevorrechte in ihrem 
Lande vielleicht bereit gegen die gleichzeitige freie Zulassung 
ihrer Flagge in der Ostsee, so war das eine Bedingung, die den 
deutschen Weststädten ebenso behagte, wie sie den Osterlingen,
	        
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