Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 483
sich die gesättigten Handelshäuser des Nordens selbst auf bloß
kommerziellem Wege unfähig zum Fortschritt. Sie verharrten
in den Bahnen des hergebrachten Handels; sie besaßen nicht
die Biegsamkeit, sich den Anforderungen neuer Verkehrswege,
anderer Verkehrsmittel, verwandelter Bedürfnisse anzupassen.
Trotzig standen sie im Auslande auf dem Schein ihrer alten
Rechte; nicht entfernt wußten sie mit den an sich vollkommen
berechtigten wirtschaftlichen Emanzipationsbestrebungen der
Völker des Nordens und Westens zu rechnen.
Diese Haltung, deren Schroffheit durch keinerlei überlegene
Macht daheim mehr gedeckt ward, führte am ehesten in dem
hoch entwickelten Westen zum Verfall des hansischen Handels.
Im Kontor zu Brügge, mitten in dem Welthandelstreiben der
landrischen und Brabanter Gegenden, suchte man den alten
Stapel aufrecht zu erhalten; erst im Jahre 1502 ward er ge—
brochen. Zu spät: längst hatte der Verkehr andere Bahnen
gesucht; seit Generationen schon war Brügge von Antwerpen
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Aufschwung mehr, sondern bezeugte nur noch den Rückgang des
hansischen Handels.
In England hatte der Friede zu Utrecht (1474) zwar das
allgemeine Ansehen der Hanse noch einmal hergestellt, wenn⸗
gleich die inneren Zwiste zwischen Köln und den Osterlingen fort—
dauerten. Aber der steigende Selbsthandel Englands forderte
immer gebieterischer die Aufhebung der hansischen Privilegien;
hald ließen sich die Engländer vernehmen: id were beter vor
all dat riike van Engelandt, to versoken de beteriinge
hiirvan miit apenem orloge und stride, wad it ock Kosten
mach, dan to liiden siik sulvon to seen so vortzageliken
vordorven“!. So drängten öffentliche Meinung und Parlament
vorwärts; nur mühsam retteten die Hansen ihre Privilegien
im 16. Jahrhundert. Der Handel selbst aber ging zurück.
Die städtischen Differenzen daheim stellten die Londoner
Faktorei, die alte Gildhalle, wieder, wie einst im 12. und
Schäfer, Hanserecesse von 147741530 2, Nr. 31, 1486