Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Ruin im Innern. 485 
hunderts Schweden als Großmacht des baltischen Meeres. In 
der That war, was etwa noch von politischer Bedeutung und 
merkantilem Übergewicht der Hanse bestand, inzwischen den 
nordischen Mächten zum Opfer gefallen. 
Die Union der nordischen Reiche seit der Kalmarer Ver⸗ 
sammlung vom 20. Juli 1897 hatte der Hanse lange Jahre 
hindurch wenig geschadet, weil die Selbständigkeit der einzelnen 
Reiche innerhalb der Union weiten Spielraum für feindliche 
Reibungen ließ, weil in Dänemark und Schweden das Lehns⸗ 
wesen eines zügellosen Adels emporschoß, und weil die Unions⸗ 
könige unbedeutende Herrscher waren. So behaupteten die 
Deutschen, in ihren Handelsinteressen wenigstens für Skandi⸗ 
navien fast völlig einig, innerhalb der Städte des Nordens noch 
bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts hinein die ent⸗ 
scheidende Herrschaft; Bergen und Stockholm blieben über— 
wiegend deutsch charakterisierte Siedelungen. 
Aber diese Lage änderte sich gegen Schluß des 16. Jahr⸗ 
hunderts. Die Völker des Nordens wurden in ihrer Kultur 
etwas selbständiger; die Union der Reiche, schon unter König 
Hans (1481 -1518) in wichtigen Punkten aufgefrischt, ward 
unter dem begabten und leidenschaftlichen Christian II. enger 
geschnürt als je. Und alsbald benutzte der König die geeinte 
Macht, um die Niederländer gegen den hansischen Handel aus— 
zuspielen; schlimme Zeiten standen dem deutschen Kaufmann 
hevor. Da verschob die wahnwitzige Grausamkeit des Königs 
noch einmal die Lage. Das Stockholmer Blutbad 'vom No— 
bember 1520 trennte Schweden von der Union; im Juni 1528 
ward Gustav Wasa zum schwedischen König gewählt. 
Es war ein letzter großer Augenblick, den die Hanse noch 
einmal zur Wiederherstellung ihrer alten politischen Macht zur 
See hätte benutzen können. Lübeck, nun durchaus im Vorder— 
grunde der Städte, bald fast Haupt und Rumpf der Hanse 
zugleich, ergriff ihn kühn und energisch. Es unterstützte als— 
hald Gustav Wasa und stellte sich freundlich zu König Friedrich J., 
dem Nachfolger des aus Dänemark und Norwegen vertriebenen 
Christian. So stand es als dritte Macht neben den geteilten
	        
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