188 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
holländischen Kolonisten im Jahre 1619 begründeten Gotenburg,
jetzt der steigenden Rivalin Stockholms, entstand ebenfalls noch
eine deutsche Kirche.
Indes diese vereinzelten Spuren fortdauernden Lebens
können nicht darüber täuschen, daß der politische Einfluß der
Deutschen in den skandinavischen Ländern verloren war, daß
der merkantile dahinsiechte, und daß auch der geistige Einfluß
zu weichen begann. In Dänemark und Schweden wie in ge⸗
wissen Teilen Norwegens war mit dem 13. Jahrhundert die
nordgermanische Kunst zu Grabe gegangen; an die Stelle war
Einfuhr und Nachahmung deutscher Erzeugnisse getreten. Keine
größere Kirche an der Ostsee hin bis zum fernen Upland, die
nicht deutsche Schnitzaltäre besessen hätte: das Museum zu Stock⸗
holm enthält ganze Säle voller Reliquien dieser Kunst. Und
noch anfangs des 16. Jahrhunderts gingen lübische Schnitz⸗
altäre nach Dänemark, noch um 1320 arbeiteten deutsche
Künstler im Dome zu Lund, und selbst die Schnitzereien des
Schlosses Kronsborg am Sunde (1577 885) sind noch deutschen
Ursprungs.
Während sich aber in der Kleinkunst die deutsche Einfuhr
noch bis ins 17. Jahrhundert erhielt, um erst zur Zeit
Ludwigs XIV. französischem Import zu weichen, war in der
großen Kunst die Niederlage der Reichsdeutschen schon um die
Mitte des 16. Jahrhunderts entschieden: schon das Rathaus
zu Malmö (1548) ist holländischen Stiles. Gegen Schluß des
16. Jahrhunderts aber blühte die dänisch-holländische Renaissance
schon in so herrlichen Bauten empor, wie den Schlössern Rosen⸗
borg (1604) und Frederiksborg (1602 - 1620), und ihnen zur
Seite traten schwedisch-französische Bauten, wie das Riddarhus
zu Stockholm (1648 —70): — von Deutschland war nicht mehr
die Rede.