ä
Elftes Buch. Erstes Kapitel.
in Erfurt ein, und alsbald ließ er 29 adlige Räuber ent⸗
haupten. Dem Anfang entsprach der Verlauf des Jahres, das
Rudolf in Erfurt zubrachte; Dutzende von Raubburgen wurden
zertrümmert; Friede kam über das geknechtete Land, und
glänzende Hoftage bewiesen, daß die kaiserlose, die schreckliche
Zeit vorüber sei.
Hatte Rudolf auch in Erfurt Schulden machen müssen,
die erst später von der Stadt Zürich bezahlt worden sind: es
war doch die froheste Zeit seiner Regierung. Hier endlich war
er auf Reichsboden Herr, hier durfte er von einem sstatus re-
nascens imperii reden.
Aber es war zugleich die Zeit seines Lebensabends. Im
Jahre 1218 geboren, war er schon hinaus über die Jahre des
Psalmisten; es galt für ihn, Reich und Haus zu bestellen.
Was konnte ihm da näher liegen, als seinen Sohn Al—
brecht in Königtum und Herrschaft folgen zu sehen? Schon
längst hatte er für dessen Nachfolge zu sorgen gesucht, indem
er seine Stellung in sterreich befestigte und den Kurfürsten
seine Wahl zum Könige nahe brachte.
Albrecht regierte an der Donau seit dem Jahre 1281.
Das Land fühlte im Innern seinen festen Arm, der selbst
schwäbische Beamte nach Osten zog, um unumschränkter zu
herrschen; nach außen sah es sich bald sicher vor jedem An—
griff. Albrecht wußte die Grenzen im Süden zu schützen; nach
Ungarn zu nahm er das Gebiet bis zum Neusiedler- und
Plattensee ein“, ja stellte im Jahre 1290 nach dem Tode des
Königs Ladislaus' IV. seine Thronkandidatur für das ganze
Land auf und ward zu diesem Zweck von seinem Vater, auf
Grund eines sehr zweifelhaften unter Friedrich II. liegenden
Vorfalles, mit Ungarn als deutschem Reichslehen bewidmet. So
hatte er überallhin Erfolge; nur gegenüber Böhmen hielt er
zurück.
Mit Grund. Denn eben von Böhmen aus suchte König
1 Zur Lage der Deutschen in Ungarn in dieser Zeit vgl. Band III
S. 380, 381.