Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

so 
Elftes Buch. Erstes Kapitel. 
einen Vertrag verabredet, dessen Ausführung zu einer Ver— 
schwägerung beider Königshäuser und zu bedeutenden Abtre— 
tungen deutschen Landes an Frankreich geführt haben würde. 
Aber schon wenige Tage später stellte sich die volle Unver— 
einbarkeit einer festen deutschen Königsherrschaft mit franzö— 
sischer Freundschaft heraus. Als Graf Johann von Holland 
und Seeland starb! und König Albrecht dessen reichslehnbare 
Herrschaften für das Reich einziehen wollte, unterstützte Frank— 
reich den Prätendenten vom Hennegau, den der verstorbene 
Graf zum Erben eingesetzt hatte, und Albrecht vermochte gegen 
diesen nichts auszurichten. Als dann weiterhin nach dem 
Tode Bonifaz' VIII. das Papsttum mit der Wahl des franzö— 
sischen Papsts Clemens V. (Juni 1305) auf lange Zeit in die 
Hände des französischen Königtums zu geraten begann?, machte 
sich der Umschwung, wie er in dem Zusammengehen der mäch— 
tigsten auswärtigen Feinde Deutschlands vorlag, alsbald im 
Westen verhängnisvoll geltend. Jetzt nahmen die Fürsten von 
Flandern, Hennegau und Luxemburg ihre Länder wie vom Reich, 
so von Frankreich zu Lehen, und der Bischof von Verdun 
wie der Erzbischof von Köln erstrebten bewußt eine ähnliche 
Stellung. 
Albrecht war gegenüber diesen Vorgängen fast machtlos. 
Ein Glück für ihn, daß seine Aufmerksamkeit zunächst durch 
die Dinge im Osten völlig in Anspruch genommen ward. 
In Böhmen und Ungarn begann seit dem neuen Jahr— 
hundert eine Anzahl von Katastrophen einzutreten, wie sie 
möglich waren nur in einem Zeitalter, dessen Staatenbildung 
im wesentlichen als auf der Grundlage fürstlichen Hausbesitzes 
erfolgend gedacht ward. 
Am 14. Januar 1801 war König Andreas von Ungarn 
gestorben; mit ihm hatte der Mannesstamm des Hauses Arpad 
aufgehört zu bestehen. Alsbald erhoben zwei Kandidaten An— 
Vgl. Band III S. 322. 
2 S. unten S. 72.
	        
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