Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Wiederherstellung des nationalen Königtums. 63 
Angehörigen des Hauses Habsburg, vor allem den Frauen, 
gerächt worden. Johann Parricida fand erst auf fremdem 
Boden eine lange in Frage gestellte Sicherheit; einer seiner 
Genossen, dessen man habhaft wurde, ward lebendig aufs Rad 
geflochten, auf dem er noch durch drei Tage gelebt haben soll, 
neben ihm seine thränenlos trauernde Gattin. Im Reich aber 
traten alsbald anarchische Zustände hervor, Unordnung und 
Fehde nahmen überhand: man sah jetzt, daß das Königtum 
unter Albrecht etwas gegolten hatte. 
Aber es hatten sich auch, wie teilweis schon unter Rudolf 
und Adolf, so erst recht unter Albrecht, die Schwierigkeiten ge⸗ 
zeigt, die sich jedem kräftigeren deuts chen Königtum alsbald ent— 
gegenstellen mußten; und in ihrem deutlichen Hervortreten liegt 
recht eigentlich die Bedeutung der Regierungszeit Albrechts. 
Jetzt hatte ein fester Herrscher das Scepter gehalten: das 
Königtum der zweiten Hälfte des Mittelalters, soweit es über⸗ 
haupt ausgebildet worden ist, es war nun unter den ersten 
Habsburgern weise und energisch begründet worden. Aber 
konnte es, auf die südöstliche Hausmacht gestützt, allein Süd— 
und Mitteldeutschland ins Auge fassend, auch nur diese Gegen— 
den voll bewältigen, ohne die Erinnerung wach zu rufen an 
das alte Reich und seine Kämpfe mit der großen Geistesmacht 
in Rom? Als Albrecht die geistlichen Fürsten beugen wollte 
mit Hilfe des Adels und Bürgertums, beriefen sich schließlich 
alle Parteien, Angreifer wie Angegriffene, auf den Papst. 
Als er nach Ungarn Einwirkungen versuchte, fand er den 
Papst. Als er die böhmische Erbfolge in seinem Sinne lösen 
wollte und diese sich mit Schwierigkeiten am Rheine verquickte, 
erschien in ihrem Hintergrunde, zu erneutem Eingriff herbei— 
gerufen, der Papst. Und der Papst bedeutete seit dem Ponti— 
fikat Clemens' V. und der babylonischen Gefangenschaft der 
Kirche zugleich auf lange Zeit hin fast auch Frankreich. 
Es war klar, für die deutsche Zukunft galt das Wort: 
ohne Lösung von der politischen Autorität des Papstes keine 
Ruhe im Innern, keine Unabhängigkeit von Frankreich. Das
	        
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