Object : Tote und lebendige Wissenschaft

Sieht  man  sich  nach  Belehrung  über  die  Grundgestalten
oder  Organisationsformen  der  Wirtschaft  um,  so  wird  man
im  gesamten  theoretischen  Schrifttum  nichts  darüber  finden.
Der  Streit  um  die  Ordnung  des  Wirtschaftslebens  wird  heute
fast  ausschließlich  politisch  geführt.  Um  das  Wesen  der
Wirtschaft,  um  das  Wesen  dessen,  was  geordnet  und  gestaltet
werden  soll,  wird  dabei  nicht  viel  gefragt.  Denn  einerseits
meint  man,  die  Wirtschaft  bestände  aus  so  fügsamem  Stoffe,
daß  er  sich  ordnen  lasse,  wie  man  nur  wünsche  (z.  B.  sowohl
liberal  wie  kommunistisch);  anderseits  meint  man,  die  Wissenschaft ­
  habe  nur  zu  erforschen,  was  ist,  nicht  aber  was  sein  soll.
Wie  aber  die  Wirtschaft  organisiert  und  gestaltet  werden
solle,  das,  so  sagt  man,  sei  Sache  der  „Weltanschauung",
Sache  der  „subjektiven  Awecksetzung",  der  „politischen  Parteimeinung". ­
  Seit  die  neukantische  Cohenschule  eine  vollkommene
Trennung  von  Sein  und  Sollen  in  die  Philosophie  einführte,
seit  Mar  Weber  und  andere  diese  Trennung  in  die  gesellschaftlichen ­
  Wissenscbaften  übernahmen,  war  diese  trostlose
Lehre  immer  mehr  zum  herrschenden  Standpunkte  geworden!
Je  mehr  man  diese  Sachlage  überdenkt,  um  so  mehr  muß
man  vor  ihr  erschrecken.  War  je  eine  Aeit  so  tief  gesunken,
daß  sie  meinte,  man  könne  wohl  erkennen,  was  ist,  —  was
aber  sein  soll,  sei  Geschmacksache  und  der  Willkür  des
Einzelnen  überlassen?  Diese  Lehre  verschuldet  auch  bis
heute  das  völlige  Fehlen  der  Frage  nach  der
wesensgemäßen,  d.  h.  der  besten  Wirtschaftsgestalt
  in  unserer  Wissenschaft.
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