112 Schlußfolgerungen für die Organisation des Geld- und Kapitalmarkts,
Das ist das Prinzip, das einer Reihe von Abwandlungen fähig ist. Zur Zeit
werden in größtem Umfange deutsche Inlandswechsel in New York in gewöhnlicher
Weise, also als ob es sich um reinen Inlandsverkehr handele, rediskontiert, was
bezüglich der Geldbeschaffung auf denselben Effekt wie das Pensionsgeschäft her-
auskommt. Da man aber dabei das Prinzip der „gebündelten Sicherheit“ nicht
anwendet, so wird diese Geldbeschaffung wesentlich teuerer sein als die im Wege
der Pensionierung derselben Wechsel, Hier wäre also der Hebel anzusetzen, Für
die nicht gebündelte Form wird sprechen, daß — als Folge unserer starken kurz-
fristigen Verschuldung — relativ mehr „große“ Wechselabschnitte zur Verfügung
stehen und daß, wenigstens für New York, die Reisedauer den Umtausch von
Wechselpaketen stört, Schweizer Banken nehmen deutsche Wechsel zur Rediskon-
tierung herein und geben sie bei Fälligkeit an die Reichsbankstelle Lörrach an der
deutschen Grenze, wo sie Girokonto unterhalten. Den Markerlös auf Girokonto
verwenden sie dann immer wieder von neuem zur Hereinnahme deutscher Wechsel,
wodurch sie von Kursschwankungen frei sind, da sie dauernd dasselbe Quantum
Geld in Deutschland haben und nur bei endgültiger Auflösung dieses Arbeitsfeldes
auf einen entsprechenden Kurs Rücksicht nehmen müssen oder — keine Rücksicht
nehmend — eine etwaige Kurseinbuße, die außerdem nur minimal sein kann,
auf den Verdienst der ganzen Jahre sich verteilt denken.
Das Wechselpensionsgeschäft ist die internationale Parallele zu dem inländi-
schen Vorgang des Bankkredits etwa an Fabrikanten, die als Sicherheit ihre Kun-
lenwechsel einreichen, Der einzige Unterschied besteht, da die Kursschwankungen
praktisch zu eliminieren sind, nur darin, daß die weitere Manipulation der Wechsel,
die über die Kreditgewährung hinausgeht, also das Inkasso, nicht wie im imlän-
lischen Verkehr als weiteres lukratives Geschäft von der kreditgebenden. Bank
gleich mitbesorgt wird, sondern als Teilfunktion bei der deutschen Bank ver-
bleibt, welche materiell nur Kreditagent ist. Damit präsentiert sich das Wechsel-
pensionsgeschäft, wenn. wir nun einmal durch die Reparationszahlungen der ganzen
Welt als Bankier bedürfen, als die der finanziellen Situation angemessene Form
des Bankkredits der deutschen Wirtschaft im Ausland. Wohl gemerkt bedeutet dieses
Geschäft eine Zwischenhand mehr zwischen dem Geld suchenden Fabrikanten und
der per Saldo finanzierenden Auslandsbänk, Daß letztere wie jede Bank auch nur
Kreditweiterleitung betreibt, kann hier außer Betracht bleiben. Zwangswirtschaft
erzeugt, wie uns die Kriegs- und Inflationszeit gelehrt hat, verteuernde Zwischen-
hände. Es ist klar, daß die Zwischenbhände auf die Dauer nur erträglich sind,
wenn sie zu allerniedrigsten Kosten ihren Zwischendienst leisten, Wenn vor dem
Kriege die Banken ihre Kundenwechsel nicht untereinander rediskontierten, so
unterließen sie dies nicht nur mit Rücksicht auf ihr Prestige, sondern mindestens
ebenso stark aus dem Grunde, weil ihnen. dann kein Zwischengewinn mehr mög-
lich war. Anders die Form der Wechselpension, welche Geld annähernd zum Privat-
satz hereinschaffte. Zweifellos wird man auf diese billigste Zwischenband-Möglich-
keit wieder zurückgreifen müssen, trotzdem die deutsche Bankwirtschaft durch
ihre Monopolstellung die „Addition ihrer Selbstkosten‘“ plus nach ihrer Meinung
notwendiger Zwischenmarge als „Marktpreis‘“ diktieren könnte, denn sonst werden
ihnen die Banken der umliegenden Länder große und grade die besten Teile des
Wechselgeschäfts wegnehmen, sei es, daß sie Grenzpositionen wie die Schweizer
Banken bei der Reichsbank in Lörrach, sei es, daß sie Filialen überall in Deutsch-
land errichten, Die ausländischen Banken können mindestens um den Zwischen-
Iohn unserer Institute billiger sein, sie sind in der Devisenbeschaffung und im
Auslandsinkasso leistungsfähig und vor allem in der Lage, Neu-Emissionen ihrer