Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

RKämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 75 
Fluten des Rheins, wurde Heinrich Ende Oktober 1308 in ein⸗ 
flimmiger Vorwahl genannt; dem folgte ohne weitere Schwierig⸗ 
keiten die feierliche Wahl in Frankfurt und die Krönung in 
Achen am Dreikönigstage des Jahres 1309. 
Wieder war ein neues Geschlecht, gleich den Habsburgern 
und Nassauern im Westen des Reiches ansässig, zur Königs⸗ 
herrschaft berufen. Die Luxemburger Grafen stammten aus 
dem alten Hause der Grafen von Limburg, das im Jahre 1101 
das Herzogtum Niederlothringen erhalten hatte, ohne es wahren 
zu können; ihre Stammburg lag westlich von Achen bei Dol⸗ 
hain, unmittelbar an der deutsch⸗wallonischen Grenze, wie einst 
die karlingischen Ursitze; heute schaut die umfangreiche Anlage 
in ihren Ruinen auf ein reiches industrielles Leben in der 
Tiefe. Von hier hatte das Haus im Jahre 1214 Luremburg 
erworben, und Graf Heinrich der Blonde hatte das neue Land 
zdurch Kauf und eifrige Pflege gefördert. Jetzt umfaßte es 
etwa 150 Geviertmeilen mit gegen hundert Burgen; seine Ein⸗ 
künfte waren bedeutend und blieben schwerlich viel hinter denen 
der Grafschaft Habsburg zurück. Die Bevölkerung war zum 
großen Teile wallonisch, dazwischen saßen deutsche Leute frän— 
lischen und alemannischen Schlags, die Schriftsprache der Ver⸗ 
waltung war gemischt, doch vornehmlich französisch. Und wie 
das Land, so die Herrschaft. Heinrich, deutscher Herkunft, aber 
am französischen Hofe erzogen, von König Philipp IV. zum 
Ritter geschlagen, Vasall des deutschen Königs und Frankreichs 
zugleich, war nur ein Typus seiner Umgebung. Freilich: im 
Außeren zeigte er voll den Germanen. Er war blond und 
rosigen Gesichts, von schönem, wenn auch nicht allzuausgeprägtem 
Doal des Kopfes; und aus seinen tiefliegenden, wie bei fast 
aAlen Luxemburgern kurzsichtigen Augen schaute ein Blick voll 
reuer Offenheit und geistreicher Laune. Im übrigen war sein 
Wesen getragen, die Welt kannte ihn als ehrlich, fromm und 
qütig, gern ließ er sich in verbindlichster Form von anderen 
deraten. Doch fehlte ihm in schweren Dingen nicht der Furor 
teutonicus, er war im Grunde tief leidenschaftlich, und im 
Zorn konnte er unbeugsam sein. So erinnerte er unter allen
	        
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