fullscreen : Kapitalismus und Sozialismus

„Freilich  tun  sie  das,"  entgegnete  ich.  „Die  Sparkasse  könnte  nicht  fortgesetzt ­
  Zinsen  zahlen,  wenn  sie  nicht  das  eingelegte  Kapital  wieder  an
dustrielle  ausleihen  würde.  Diese  zahlen  der  Sparkasse  einen  Teil  dessen,  was
ihnen  ihre  Arbeiter  erworben  haben,  und  einen  Teil  ihres  Gewinnes  zahlt
die  Sparkasse  wieder  den  Einlegern.  Ebenso  könnte  der  Staat  seinen  Gläubigerw
  nicht  immerfort  Zinsen  zählen,  wenn  er  das  Geld  nicht  von  den
Steuerträgern  bekäme,  die  es  entweder  durch^eigene  Arbeit  oder  durch  die
Ausbeutung  fremder  Arbeit  erworben  haben.  So  fließen  also  in  Wirklichkeit
auch  diese  Zinsen  aus  der  Arbeit  her."
„Wenn  das  so  ist,"  meinte  nun  Wilhelm,  „dann  muß  ich  wohl  zugeben,
daß  auch  zum  ursprünglichen  Erwerb  des  Kapitals  keine  besonderen  Fährgkeilen
  nötig  waren.  Du  hast  uns  gezeigt,  daß  es  aus  Raub,  Gewalt,  Erpressung ­
  und  Ausbeutung  herrührt.  Also  sollten  wirklich  die  Kapitalisten
von  jeher  so  viel  schlechtere  Leuttz  gewesen  sein  als  alle  anderen?  Waren
nicht  zum  Beispiel  die  Raubritter  noch  viel  habsüchtiger  und  gewalttätiger
als  sie?"  .
„Das  mag  schon  der  Fall  gewesen  sein,  und  die  ersten  Kapitalisten
brauchen  durchaus  nicht  schlechtere  Menschen  gewesen  zu  sein  als  zum  Beispiel ­
  die  Adeligen  ihrer  Zeit,  sie  hatten  nur  andere  Methoden,  sich  zu  bereichern, ­
  als  diese.  Auch  will  ich  nicht  sagen,  daß  zur  Anhäufung  und  zur  Vermehrung ­
  des  Kapitals  nicht  besondere  Fähigkeiten  erforderlich  sind.  Das  ist
oft  der  Fall;  aber  es  sind  nicht  Fleiß  und  Sparsamkeit,  sondern  Schlauheit,
Geistesgegenwart  und  vor  allem  brutale  Rücksichtslosigkeit.  Gewiß  war  das
Gewerbe  des  Raubritters  nicht  sehr  schön  und  edel,  aber  es  war  wenigstens
so  weit  ehrlich,  als  sich  der  Räuber  für  nichts  anderes  ausgab  als  er  war.
Es  fiel  ihm  nicht  ein,  sich  noch  als  Wohltäter  derjenigen  Menschen  aufzuspielen,
die  er  ausraubte.  Der  Kapitalist  tut  das  aber.  Er  plündert  seine  Arbeiter,
indem  er  sagt,  er  gäbe  ihnen  Arbeit  und  ernähre  sie.  Er  brandschatzt  die  Konsumenten, ­
  indem  er  ihnen  erzählt,  daß  er  sie  mit  den  Segnungen  der  Kultur
versehe,  und  er  verbreitet  die  Zivilisation  unter  den  Wilden,  indem  er  sie
mit  Schnaps  vergiftet,  sie  zu  Arbeitssklaven  macht  und  ihre  Naturschätze
stiehlt."  .  .
„Wenn  ich  schon  die  Wahl  habe,"  meinte  da  Karl,  „dann  ist  nur  der
ehrliche  Räuber,  der  wenigstens  seine  Haut  zu  Markte  trägt,  doch  noch  lieber
als  der  heuchlerische  „Wohltäter",  der  von  seinem  Kontor  aus  tn  voller
Sicherheit  die.Menschen  ausplündert."

Der  Wert.
i.
„Du  stellst  alles  so  dar,"  meinte  Karl  nach  einer  Weile,  „als  ob  es  sich
da  um  einen  großen  Kampf  mit  Waffen  handeln  würde.  Da  Ware  es  sofort
klar,  weshalb  der  Stärkere  den  Schwächeren,  der  besser  Gerüstete  den
Waffenlosen  überwältigt;  aber  in  der  Industrie  muß  doch  mrt  anderen
Waffen  gekämpft  werden.  Wenn  ich  dich  recht  verstanden  habe,  handelt  es  sich
da  meist  darum,  daß  derjenige  den  anderen  schlägt,  der  billigere  Preiw  macht.  |
Do  hat  der  Möbelhändler  den  Tischler,  die  große  Fabrik  die  kleine  Werkstatt  ■
durch  dieses  Mittel  aus  dem  Feld  geschlagen.  Aber  wovon  hangt  es  denn  ab,
wie  hohe  Preise  einer  verlangen  kann?  Wie  werden  denn  die  Preiw  über-  j
Haupt  bestimmt?"
            
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