Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Keligiöse Bewegung; Luther. 
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schuldig zu sagen; könnte ich, so wollte ich auch also thun. 
Es ist mir lieber, die Welt zürne mit mir, denn Gott; man 
wird mir ja nicht mehr denn das Leben nehmen können. Gott 
gebe uns allen einen christlichen Verstand und sonderlich dem 
— DD0 geistlichen Mut, 
der armen Kirche das Beste zu thun: Amen!“ — 
Die Schrift an den christlichen Adel deutscher Nation galt 
den mehr äußeren, verfassungsmäßigen Schäden der Kirche; 
die Frage nach der kirchlichen Ausprägung der tieferen religiösen 
Wahrheiten des Christentums ließ sie unerörtert. Aber sie 
entstand schon unter der Voraussetzung, daß eine Kritik dieser 
Seite der Papstkirche bald folgen werde: „Wohlan, ich weiß 
noch ein Liedchen von Rom. Juckt sie das Ohr, ich will's 
ihnen auch singen und die Noten aufs höchste stimmen. Ver⸗ 
stehst mich wohl, liebes Rom, was ich meine?“ 
Am 6. Oktober 1520 erschien die Schrift „De captivitate 
Babylonica ecelesiae praeludium“. Sie wandte sich gegen 
den entscheidenden Punkt der römischen Glaubenslehre, gegen 
die Art, in der die alte Kirche den Seelen das Heil vermittelte, 
gegen die Sakramente. Ihre Aufgabe war zu zeigen, daß 
Rom durch gewinnsüchtige Verdrehung der alten, wie durch 
herrschsüchtige Aufstellung neuer Sakramente die ursprüngliche 
Freiheit des Christentums in Fesseln geschlagen, die Kirche in 
habylonische Gefangenschaft geführt habe. Luther wandte sich 
mit diesem Thema nicht so sehr an weite Kreise des Volkes, 
als an den Klerus und die Gebildeten. Die Sprache ist darum 
lateinisch, die Beweisführung die der üblichen Methode schola⸗ 
stischen Denkens, der Ton ruhig, wenn auch schneidend scharf 
ind von tiefster Überzeugung getragen; doch nur selten erhebt 
sich die Rede zu rhetorischer Höhe und zeigt das Pathos des 
Agitators. 
Von den sieben Sakramenten der alten Kirche: Abendmahl, 
Taufe, Buße, Firmung, Ehe, Priesterweihe und letzte Olung: 
läßt Luther nur drei, ja eigentlich nur zwei als schriftgemäß 
bestehen, das Abendmahl und die Taufe; doch will er den 
ibrigen Sakramenten ihren Sinn als harmlos fromme Bräuche
	        
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