Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

Hiertes Kapitel. 
Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, west— 
fälischer Friede. 
Mit dem Ausgange des Reichstags vom Jahre 1608 war 
die Reichsverfassung thatsächlich mindestens auf längere Zeit 
lahmgelegt worden; dem Verfall der alten Kirche in der ersten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts war der Zerfall des alten Staates 
im ersten Jahrzehnt des siebzehnten gefolgt. Die volle Um— 
wälzung auf dem Gebiete des Geisteslebens mußte auch das 
äußere Gerüst der politischen Einrichtungen erschüttern; die 
einzelnen Teile des Reiches standen im Begriff, ihre eignen Wege 
zu gehen, sie verstanden sich auch in den längst schon enger 
beschränkten, weniger zahlreichen Aufgaben des Reichstags 
nicht mehr. 
Dieser Zustand war nicht durch rasche Umschläge veranlaßt, 
sondern in langsamer Entwicklung herbeigeführt worden; zer— 
bröckelnd, nicht umgestaltend hatte der Protestantismus auf die 
Verfassung gewirkt. Diese Thatsache aber, die in der innersten 
Entwicklung der Dinge begründet lag, hatte zugleich eine 
konservativ-protestantische Politik, wie sie die sächsische Partei 
verfolgte, notwendig in sich aufheben müssen. So war die 
ursprünglich sächsische Oberleitung der protestantischen Politik
	        
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