Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

350 Achtzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
schriften ihre Not, sie kämen nicht zu dem Ihrigen, während 
ihre Schuldner „in Gütern säßen, stolzierten und prachtieren 
von dem, was oder worzu die Bürger oder ihre Voreltern das 
Geld hergeliehen“. 
Nur ein Schluß läßt sich daher aus den Schuldverhält⸗ 
nissen etwa schon des beginnenden 17. Jahrhunderts für das 
platte Land ziehen: daß es, kapitalistisch vielfach in den Händen 
bürgerlicher oder geistlicher Gläubiger, jede neue Kalamität, 
und somit vor allem den nahenden großen Krieg doppelt hart 
empfinden .mußte. 
Und wie brach nun allerdings dieser Krieg, da, wo er voll 
auf einer Gegend lastete, gerade über das platte Land herein! 
Bauern sind zum Rauben ist der Krieger Glauben, lautet eins 
der erfahrungsreichen Sinngedichte Logaus. Und in einem Liede 
auf den ersten Seiten des „Simplicissimus“, in dessen späterem 
Verlaufe einmal gesagt wird, die Bauern lebten da, wo kein 
Militär hinkomme, besser als die Obersten, finden sich die Verse: 
Du sehr verachter Baurenstand 
Bist doch der beste in dem Land; 
Kein Mann dich gnugsam preisen kann. 
Wann er dich nur recht sihet an .. 
Wie stünd es jetztund um die Welt, 
Hätt Adam nicht gebaut das Feld! 
Mit Hacken nährt sich anfangs der 
Von dem die Fürsten kommen her. 
Es ist fast alles unter dir, 
Ja, was die Erd nur bringt herfür, 
Wovon ernähret wird das Land, 
Geht dir anfänglich durch die Hand 
Der Kaiser, den uns Gott gegeben, 
Uns zu beschützen, muß doch leben 
Von deiner Hand; auch der Soldat, 
Der dir doch zufügt manchen Schad. 
Fleisch zu der Speis zeuchst auf allein 
Von dir wird auch gebaut der Wein, 
Dein Pflug der Erden tut so not, 
Daß sie uns gibt genugsam Brot.
	        
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