Weitere musikalische und literarische übergänge. 353
bevorzugten Standorte während der ersten Hälfte des 18. Jahr⸗
hunderts zurück nach der Stadt, die der Kampf gegen Gott⸗
sched nur zeitweise in den Hintergrund gedrängt hatte, nach
Leipzig.
Denn hier war noch immer der Mittelpunkt des deutschen
literarischen Lebens. Neben Gottsched, der sein altes Ansehen
noch keineswegs ganz verloren hatte, und neben seiner hoch⸗
begabten, feinen und vermittelnden Frau wurden hier Männer
groß wie der sächsische Satiriker Rabener und der bissige
Kästner, ein frühes Wunderkind, mit 18 Jahren Magister, mit
20 Jahren Dozent an der Universität. Gleichzeitig verlebte
Gellert die erste, anmutig-ausgelassene Periode seines Lebens
in Leipzig, sonnte sich der jugendlich-feurige Johann Elias
Schlegel, bis 1743 in Leipzig, in dem Ruhme seiner Dramen,
der schon erklungen war, als er noch Schulpforte besuchte;
schrieb Zachariä mit 18 Jahren an seinem besten komischen
Heldengedichte, während im Jahre 1746 die Studiosi Klopstock
aus Schulpforte und Lessing aus Sankt Afra in Meißen ein—
trafen; und um sie alle gruppierten sich noch manche Literaten
zweiten Ranges, wie Cramer, Gärtner, Johann Adolf Schlegel,
Schmidt, Ebert u. a.
Da versteht man, mit welchem Interesse in diesen Kreisen
der Kampf Gottscheds mit den Schweizern verfolgt ward.
In den Jahren 1740 bis 1744 etwa hatte sich nun der
Sieg zugunsten der Schweizer entschieden. Der Ausgang gab,
wie schon einmal erwähnt!, Anlaß zur literarischen Emanzi—
pation der jüngeren Leipziger Kreise. Sie begründeten im
Jahre 1744 eine neue Zeitschrift, die „Neuen Beiträge zum
Vergnügen des Verstandes und des Witzes“, die nach dem Druck—
ort, Bremen und Leipzig, kurzweg „Bremer Beiträge“ genannt
zu werden pflegten. Und diese Zeitschrift wurde zur Stätte
ziner weiteren Entwicklung der neuen Renaissancekunst: mehr
als bisher trat jetzt neben dem antiken Moment das moderne
1S. oben S. 824.
Ldamprecht, Deutsche Geschichte. VII. 1.