Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 655 
Ausbildung eines ihnen gemeinsamen Heerwesens und fürst⸗ 
lichen Lokalbeamtentums Elemente der Zentralgewalt, die zum 
Ganzen hindrängten, zu entwickeln. Und als Gegenstück hierzu 
mußten die entgegenstehenden partikularen Faktoren, die Selb— 
ständigkeitsgelüste der alten fürstlichen Provinzialverwaltungen 
wie vor allem die Autonomien der einzelnen Landesstände mit 
ihrer besonderen Verwaltung gebrochen werden. Endlich aber 
war eine das Ganze gleichmäßig umfassende Fürsorge für alle 
Staatsaufgaben der Zeit, insbesondere Handel, Gewerbe, Finanzen 
und Justiz zu entfalten und damit allen Staatsangehörigen 
je länger je mehr die wohltuende Überzeugung beizubringen, 
daß sie Glieder eines einzigen politischen Körpers seien. 
Der Große Kurfürst hat alle diese Aufgaben in die Hand 
genommen, wenn auch keineswegs schon völlig gelöst. Nur 
Grundlagen hat er im ganzen geschaffen; und darüber ist auch 
sein nächster Nachfolger nicht hinausgelangt. Ausgebildet hat 
sie erst Friedrich Wilhelm J. Und insofern gehören der Große 
Kurfürst und der sorgsame König in ihrer inneren Politik aufs 
engste zusammen. 
Höchste Leistungen des so ausgebildeten Staates in seiner 
besonderen Art wurden aber sogar erst unter Friedrich dem 
Großen erreicht: erst seine Regierung bezeichnet die Zeit des 
Fruchttragens; und von 1763 ab zeigen sich dann unter dem 
alternden König neben allem reichen Ertrag auch schon die 
Schäden des Verfalles. 
Was den Großen Kurfürsten und Friedrich Wilhelm J. 
zunächst miteinander verband, war vor allem eine verwandte 
Auffassung von ihren Aufgaben. Grundlage für das 
Empfinden beider war dabei noch immer der protestantisch⸗ 
patriarchalische Absolutismus des 16. Jahrhunderts, ja bei 
Friedrich Wilhelm J. war diese Grundlage wiederum stärker 
ausgeprägt als beim Großen Kurfürsten: denn er besaß in 
höchstem Grade die Eigenschaften jenes fürstlichen Haushalters, 
die dem 16. Jahrhundert als Herrscherideal vorgeschwebt hatten: 
er war bieder, sparsam, gewissenhaft, nüchtern, dabei im Willen 
zäh, unbeugsam, ja gewaltsam. Es waren Charakterzüge, die 
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